{"id":1203,"date":"2014-09-01T18:10:38","date_gmt":"2014-09-01T18:10:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1203"},"modified":"2023-04-15T09:40:15","modified_gmt":"2023-04-15T09:40:15","slug":"zwischennutzungen-eine-chance-fuer-kreative-freiraeume","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1203","title":{"rendered":"Zwischennutzungen \u2013 eine Chance f\u00fcr kreative Freir\u00e4ume?"},"content":{"rendered":"<p><em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1204\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2.jpg\" alt=\"bi2\" width=\"1350\" height=\"1012\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2.jpg 1350w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2-620x465.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/bi2-940x705.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1350px) 100vw, 1350px\" \/><\/em><span style=\"font-size: 10pt;\">Podium v. l. n. r.: Martin Hofer, Peter Haerle, Olivia Bosshart-Kion, Steff Fischer, Romano Zerbini<\/span><br \/>\n<em>Das Hochhaus Zur Bastei, Musterbau der 50er Jahre-Architektur und einst das erste Hochhaus Z\u00fcrichs, steht an der B\u00e4rengasse beim Paradeplatz, inmitten des Z\u00fcrcher Finanzdistrikts. Vor rund 8 Monaten rief Romano Zerbini zur Zwischennutzung aus, und es entstand die Photobastei \u2013 \u201eZurich\u2019s biggest Photography Art Walk\u201c. Am 20. August 2014 wurde in einer \u00f6ffentlichen Podiumsrunde das Modell \u201eZwischennutzung\u201c diskutiert.<\/em><br \/>\nAuf dem Podium sassen Steff Fischer, CEO Fischer AG Immobilienmanagement, Peter Haerle, Leiter Kulturf\u00f6rderung Stadt Z\u00fcrich, Martin Hofer, Verwaltungsratspr\u00e4sident W\u00fcest &amp; Partner, Romano Zerbini, Initiator und Leiter der Photobastei. Moderiert wurde der Anlass von Olivia Bosshart-Kion.<\/p>\n<h5><strong>Entstehungsgeschichte<\/strong><\/h5>\n<p>Die Zwischennutzung kam zustande, weil die K\u00e4uferschaft das im Geb\u00e4ude geplante Projekt noch nicht in Angriff nehmen konnte. Steff Fischer wurde angefragt, f\u00fcr kurze Zeit das Geb\u00e4ude zu nutzen, wobei etwas entstehen sollte, das der Stadt etwas gibt und dem Geb\u00e4ude in der Zwischenphase einen Mehrwert verleiht. Fischer kannte Zerbini, und der packte die Gelegenheit beim Schopf, an diesem aussergew\u00f6hnlichen Ort etwas Aussergew\u00f6hnliches zu initiieren. Er beschloss, den gesamten Komplex zu bespielen \u2013 und deckte damit ein riesiges Bed\u00fcrfnis ab: innerhalb von 8 Monaten zeigten 400 Fotografen ihre Werke in 300 Ausstellungen. Die Fl\u00e4chen wurden den K\u00fcnstlerInnen zu einem g\u00fcnstigen Mietpreis abgegeben, die Ausstellung organisierte jeder selbst. Im Erdgeschoss entstand eine hippe, trotzdem gem\u00fctliche Bar. Durchgehend konnte eine Mietauslastung von 100% verbucht werden.<\/p>\n<h5><strong>Publikumsmagnet<\/strong><\/h5>\n<p>Zerbini erw\u00e4hnt \u2013 neben den erbrachten praktischen Eigenleistungen &#8211; Investitionskosten in H\u00f6he von 120&#8217;000 Franken, die zum gr\u00f6ssten Teil durch Fundraising generiert wurden. Stadt und Kanton schossen je 10&#8217;000 Franken zu. Wie es nun am Ende der Zwischennutzung aussieht, kommt man finanziell heraus. Der eigentliche Erfolg aber misst sich nicht in einem Frankenbetrag, sondern in den 100&#8217;000 Besuchern, die in 8 Monaten in der Photobastei waren. \u201eDas ist ein Publikumsaufmarsch wie in der Tonhalle oder im Kongresshaus\u201c, sagt Zerbini und sinniert gleichzeitig \u00fcber den Grund f\u00fcr das riesige Bed\u00fcrfnis an solchen Leerr\u00e4umen, nur schon allein f\u00fcr Fotografie: \u201eDie R\u00e4ume hier sind genial, weil sie g\u00fcnstig sind, die R\u00e4ume eigenen sich, um etwas auszuprobieren, man kann sich als K\u00fcnstler zeigen mit etwas, das experimentell ist und nicht unbedingt erfolgreich sein muss. An einem definitiven Ort w\u00fcrde das nicht funktionieren. \u201c<\/p>\n<h5><strong>Imagegesch\u00e4ft Zwischennutzung<\/strong><\/h5>\n<p>Martin Hofer von W\u00fcest &amp; Partner sieht seine Firma zunehmend mit dem Thema \u201eZwischennutzung\u201c konfrontiert. Solche transitorischen oder \u00dcbergang-Nutzungen, wie er es gerne nennt, sind f\u00fcr Investoren wirtschaftlich eigentlich nicht interessant. Die Photobastei kam trotzdem zustande, weil \u201eder Investor Kunstaffin ist, die Idee toll fand und letztlich doch auch rechnen kann: ein leeres Haus muss gesch\u00fctzt werden. Bei einer Zwischennutzung muss der Investor nichts bezahlen f\u00fcr die Sicherheit und hat kein Problem mit Besetzern.\u201c Hofer m\u00f6chte trotzdem nicht von einem Geldgesch\u00e4ft reden, sondern von einem Imagegesch\u00e4ft. Man kann viel Ruhm und Ehre heischen mit so etwas.<\/p>\n<h5><strong>Mut zur Chance<\/strong><\/h5>\n<p>Fischer erg\u00e4nzt, dass in der Stadt Z\u00fcrich immer mehr B\u00fcroraum leer steht. Die Branche muss umdenken bei der g\u00e4ngigen \u00dcberlegung, dass sie Leerraum lieber leer stehen l\u00e4sst als den Mietpreis zu senken, in der Hoffnung, irgendwann jemanden zu finden, der den Preis bezahlt. Hier sieht er eine Chance f\u00fcr Zwischennutzungen, denn die wird nicht als Abgabe zu vermindertem Mietpreis gewertet, sondern eben als Zwischennutzung.<br \/>\nPeter Haerle von der Stadt Z\u00fcrich hat grosse Hochachtung vor Leuten, die den Mut haben und etwas gestalten wollen. Ein Investor muss sich auf etwas einlassen, das er vermutlich so nicht kennt, braucht die Bereitschaft zum Wagnis. F\u00fcr ihn ist die Photobastei ein Leuchtturmprojekt, das nicht nur mit Fotografie, sondern auch mit anderen Kunstsparten funktioniert h\u00e4tte. Auch die Stadt selbst hat Erfahrung mit Zwischennutzungen (wobei es innerhalb der Stadtverwaltung nat\u00fcrlich verschiedene Interessensgruppen gibt, die Finanzabteilung hat teilweise andere Vorstellungen als die Kulturabteilung):<br \/>\nSowohl in der Werkerei Schwammendingen als auch in der Migros Herdern hat sie Platz gemietet f\u00fcr Kleingewerbe, Kultur und Ateliers, welche sie Abg\u00e4ngern der ZHdK zur Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<h5><strong>Zwischennutzung in der Peripherie<\/strong><\/h5>\n<p>Ob ein solches Projekt auch im Aussenquartier oder an einem kleinen Ort funktioniert h\u00e4tte? Zerbini h\u00e4tte das Wagnis an einem kleinen Ort ohne den vollen R\u00fcckhalt der betreffenden Orts- oder Stadtverwaltung nicht riskiert. Ein kleinerer Ort k\u00f6nnte aber ein solches Projekt durchaus mittragen, indem er es zum Beispiel ganz klar als Standortvorteil positioniert. Immobilienmanager Fischer meint, dass die Lage das Wichtigste sei, pl\u00e4diert aber gleichzeitig f\u00fcr ein Umdenken bei der \u201eZentrumsfrage\u201c. Der Metropolitanraum Z\u00fcrich ver\u00e4ndere sich stetig, es werde k\u00fcnftig Zentrum neben Zentrum entstehen, das jedes in einem bestimmten Kontext Bedeutung gewinne.<br \/>\nLetztlich stellt man sich noch die Frage, wer ein solches Projekt \u00fcberhaupt aufgleist, \u201eBannertr\u00e4ger\u201c ist. Die Antworten der Podiumsteilnehmer: es braucht jemanden, der verr\u00fcckt genug ist, ein solches Projekt wichtig und richtig zu finden, der Kunst und Kultur liebt. Es braucht eine Stadt, die den Standortvorteil, die Wertsteigerung und den entsprechenden Werbenutzen in einem solchen Projekt sieht, und es braucht Initianten, welche die besondere Dynamik in der Zwischennutzungsatmosph\u00e4re sp\u00fcren.<\/p>\n<h5><strong>Zwischennutzung in Schaffhausen \u2013 Die Tempogarage macht Tempo beim Thema<\/strong><\/h5>\n<p>Das erste Beispiel einer Zwischennutzung in der Stadt Schaffhausen ist derzeit die \u201eTempogarage\u201c. Eine Handvoll K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler hat sich die zum Abriss bestimmte Rheingarage mit einem Zwischennutzungsvertrag f\u00fcr drei Monate gesichert und bespielt sie mit Ausstellungen und einer Beiz, der Tempobar.<\/p>\n<h5><strong>KAGAWEST ?<\/strong><\/h5>\n<p>K\u00f6nnte, was mit viel Initiative im Kleinformat h\u00f6chst erfolgreich funktioniert, auch im Geb\u00e4ude der ehemaligen Hallen f\u00fcr Neue Kunst \u2013 nennen wir es hier KAGAWEST \u2013 stattfinden? Warum nicht eine unb\u00fcrokratisch abgewickelte kulturelle Zwischennutzung initiieren f\u00fcr Ausstellungen, Konzerte aller Art, Lesungen, Chorauftritte, Theaterauff\u00fchrungen, Raum f\u00fcr Pr\u00e4sentationen von Matura- oder Lehrabschlussarbeiten, Think-Tanks, Atelierraum f\u00fcr kurzfristige experimentelle Versuche im Bereich Bildende Kunst?<br \/>\nEine solche Zwischennutzung k\u00f6nnte die im Besitz der Stadt befindlichen R\u00e4ume KAGAWEST in der Zeit bis zu ihrer endg\u00fcltigen, hoffentlich weiterhin kulturellen Bestimmung nicht nur vor l\u00e4ngerem Leerstand mit allen, auch finanziellen, Nachteilen bewahren, sondern \u00f6ffnen und beleben. Und nach der in manchen Kreisen als elit\u00e4r befundenen (noba bene inhaltlich diskussionslos grossartigen), nach dreissig Jahren nun beendeten (Zwischen-?)Nutzung durch die Hallen f\u00fcr Neue Kunst <em>allen<\/em> Bev\u00f6lkerungsteilen von Schaffhausen n\u00e4herbringen. Wie das Beispiel der Photobastei Z\u00fcrich zeigt, hat eine geschickt inszenierte Zwischennutzung durchaus das Potenzial, einer Stadt und einer ganzen Region ein positives, mutiges und initiatives Gesicht zu verleihen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Podium v. l. n. r.: Martin Hofer, Peter Haerle, Olivia Bosshart-Kion, Steff Fischer, Romano Zerbini Das Hochhaus Zur Bastei, Musterbau der 50er Jahre-Architektur und einst das erste Hochhaus Z\u00fcrichs, steht an der B\u00e4rengasse beim Paradeplatz, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1206,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,1],"tags":[],"class_list":["post-1203","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berichte","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1203","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1203"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1203\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4323,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1203\/revisions\/4323"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1206"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1203"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1203"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1203"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}