{"id":1445,"date":"2015-09-21T11:52:33","date_gmt":"2015-09-21T11:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1445"},"modified":"2015-09-21T11:52:33","modified_gmt":"2015-09-21T11:52:33","slug":"interview-mit-hans-peter-oechsli","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1445","title":{"rendered":"Interview mit Hans Peter Oechsli \u00fcber die st\u00e4dtebauliche Entwicklung der Stadt Schaffhausen"},"content":{"rendered":"<p>Hans Peter Oechsli, Schaffhauser Architekt und Stadtplaner, hat sich \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr die Stadt Schaffhausen engagiert und insbesondere in st\u00e4dtebaulichen Fragen L\u00f6sungswege vorgeschlagen. Nach seinem Studium in D\u00fcsseldorf machte sich Oechsli 1971 selbst\u00e4ndig und engagiert sich f\u00fcr eine nachhaltige Stadtentwicklung. Ihm ging es vor allem darum, ein Bewusstsein f\u00fcr st\u00e4dtebauliche Probleme zu schaffen. Er vertrat die Ansicht, dass f\u00fcr ein regionales Zentrum alle n\u00f6tige Einrichtungen wie<span style=\"text-decoration: line-through;\">,<\/span> Bahn, Bus, Parkpl\u00e4tze und Post an einem zentralen Standort liegen m\u00fcssen. Der Wohnbau sollte entlang der Verkehrsachse des Entwicklungsgebietes Thayngen, Herblingen, Schaffhausen, Neuhausen am Rheinfall und Beringen konzentrieren. Nach wie vor ist der Architekt der Meinung, dass St\u00e4dtebau nicht dem Zufall und auch nicht den Investoren \u00fcberlassen werden darf. Dokumentiert sind seine \u00dcberlegungen und Ansichten, beispielsweise in der breit angelegte Serie \u00abDie Stadt in der wir leben\u00bb, die in den 70er Jahren in den \u00abSchaffhauser Nachrichten\u00bb publiziert wurde. Weitere grosse Interviews \u00fcber den St\u00e4dtebau erschienen in der gleichen Zeitung in den Jahren 2005 bis 2008. Die Publikationen zeigen: Die Probleme sowie die Fragen sind heute noch dieselben.<br \/>\n&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;-<br \/>\n<strong><em>SCHARF<\/em><\/strong><em style=\"font-weight: bold;\"> sprach mit dem engagierten Architekten \u00fcber die st\u00e4dtebauliche Entwicklung der Stadt Schaffhausen. Das Interview f\u00fchrten Christian W\u00e4ckerlin und Claudia H\u00e4rdi<\/em><br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Wie beurteilen Sie heute die st\u00e4dtebauliche Entwicklung in Schaffhausen im Hinblick auf eine Weiterentwicklung im Fulachtal?<br \/>\n<strong>Hans Peter Oechsli:<\/strong> Im Hinblick auf eine Weiterentwicklung im Fulachtal ist das Gebiet direkt beim Stadtzentrum das interessanteste. Der \u00dcbergang ist jedoch nun durch die Platzierung des regionalen Bushofes f\u00fcr Generationen verbaut. Er blockiert die urbane Entwicklung in diesem Gebiet. Zudem hat der Bushof an diesem Standort keine Erweiterungskapazit\u00e4t. Auf dem Bleicheareal wiederum<span style=\"text-decoration: line-through;\">,<\/span> ist eine rein kommerzielle Investorenl\u00f6sung entstanden. Eine L\u00f6sung, die weder einen Stadtplatz noch eine plausible Verbindung zum Altstadtkern schafft. Auch das ist jetzt zementiert. Zusammengefasst: Es sind weder st\u00e4dtebauliche Probleme gel\u00f6st worden, noch ist eine neue lebenswerte Stadt entstanden. Der Grund: Die Detailumsetzung ist falsch. Damit sind wir bei einem wesentlichen Punkt angelangt: Bei einer Arealentwicklung m\u00fcssen nicht die Investoren mit Visionen vorangehen, sondern die Politiker, St\u00e4dteplaner und Architekten.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Stichwort Investoren: Haben in Schaffhausen die Wirtschaftsf\u00f6rderung und die Politik das Sagen?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Es sieht ganz danach aus. Dementsprechend ist das Resultat. Das verdient die Stadt auch. Wenn man auf die Wirtschaftsf\u00f6rderung setzt, dann muss man akzeptieren, dass es allenfalls nicht ganz so verl\u00e4uft, wie es f\u00fcr die Allgemeinheit gut w\u00e4re. Man sp\u00fcrt in Schaffhausen zudem einfach keinen Willen, die Stadt zu gestalten.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Kurzfristiges wirtschaftliches Denken und opportunistisches Verhalten habe Vorrang, sagten sie vor zehn Jahren. Sind sie noch stets dieser Meinung?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Ja, und zwar sehr dezidiert. Der kurzfristige Erfolg \u2013 der Wahlerfolg \u2013 spielt eine wichtige Rolle. Eine Entwicklung eines Stadtteils braucht jedoch einfach l\u00e4nger. Bei gr\u00f6sseren Entwicklungen ist ganz klar die Politik f\u00fchrend. Dazu geh\u00f6rt auch die personelle Besetzung der Chefpositionen. Da h\u00e4tte man selbstverst\u00e4ndlich verschiedene Geister zur Auswahl.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Welche Geister w\u00e4ren f\u00fcr eine nachhaltige Stadtentwicklung n\u00f6tig?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Kreative und unabh\u00e4ngige Pers\u00f6nlichkeiten. Personen, denen bewusst ist, dass Bauen nicht nur eine kommerzielle Angelegenheit ist. Personen, die wissen, dass mittel- und langfristig sinnliche und kulturelle Komponenten ausschlaggebend sind. Pers\u00f6nlichkeiten, die den Gewinn f\u00fcr die Bewohner der Stadt in den Vordergrund stellen. Das muss die Leitlinie sein.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Oft hapert es jedoch am Geld. Einverstanden?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Nein, einschr\u00e4nken muss das nicht. Wenn, dann ist das wom\u00f6glich nur Geistlosigkeit.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Woran scheitern st\u00e4dtebauliche Projekte?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Letztlich h\u00e4ngt es von einzelnen K\u00f6pfen ab. Am Politiker oder auch am Planer, der den falscher Weg beschritten hat, um hier ein Beispiel zu nennen. Oder auch an ungeschickt jurierten Wettbewerben. Eine Rolle spielen jedoch auch Eigeninteressen. Solange es Menschen gibt, gibt es einfach Fehler.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Derzeit wird viel von der Mitwirkung der Bev\u00f6lkerung geredet. Was halten Sie davon?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Eines ist klar: Gegen die Bev\u00f6lkerung kann kein neuer Stadtteil realisiert werden. Schon gar nicht im Fulachtal. Das ist eine sehr komplexe Aufgabe. Abgesehen davon halte ich sehr viel von der Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr st\u00e4dtebauliche Fragen. Ich mache mir aber keine Illusionen. Das ist uns vor 40 Jahren auch nicht im grossen Stil gelungen.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Weitsicht oder die Konzentration auf einzelne Areale. Was ist besser?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Um es vorweg zu nehmen: Damit man eines Tages einen Stein auf den anderen setzen kann, muss man einen Perimeter festlegen, um die Problematik einzugrenzen. Das macht jedoch erst Sinn, wenn die ersten Prozesse beendet sind. Das heisst, wen man eine gewisse \u00dcbereinstimmung der verschiedenen Interessen \u2013 zum Beispiel der Grundeigent\u00fcmer \u2013 erreicht hat. Ebenfalls wichtig ist, dass die Bev\u00f6lkerung hinter der Entwicklung steht. In der Praxis arbeitet man letztlich mit Planungsperimetern. Es ist jedoch fatal, wenn das Gesamte aus dem Blickfeld r\u00fcckt. Dazu geh\u00f6rt nicht nur die Stadt, sondern die ganze Region. Es ist eminent wichtig, dass stets \u00fcber den Perimeter hinaus gedacht und geplant wird.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Um eine langfristige Planung durchzusetzen brauche es Visionen, sagten Sie in einem Interview. Wie sieht ihre Vision f\u00fcr das Fulachtal aus und was braucht es, um dazu einen Prozess in Gang zu setzen?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Ohne Vision ist alles vergeblich. Da l\u00e4uft man immer ins Leere. Es w\u00e4re gut, wir w\u00fcrden uns mehr damit auseinandersetzen. Ebenso mit der Machbarkeit der Dinge. Nicht alles was vern\u00fcnftig w\u00e4re, ist machbar. Die Vision f\u00fcr das Fulachtal ist klar: Wir haben eine unwirtliches Gebiet in unmittelbarer N\u00e4he des Stadtzentrum. Das bereits muss reichen, um einen Prozess in Gang zu setzen. Doch wenn wir bereits zu Beginn ein Bild vom Resultat evozieren, z\u00e4umen wir das Pferd beim Schwanz auf. Das Bild kommt mit dem Prozess. Und das geht jahrelang. Wie bereits erw\u00e4hnt: Es geh\u00f6rt der Wille dazu, die Stadt gestalten zu wollen. Ebenfalls notwendig sind zudem eine \u00d6ffentlichkeitsarbeit<span style=\"text-decoration: line-through;\">,<\/span> sowie ein runder Tisch mit den Grundbesitzern. Der Investor ist ganz am Schluss gefragt. Danach beginnt man vielleicht mit einem Ideenwettbewerb oder einem Studienauftrag. Oder man fragt eine Uni oder Hochschule an, ob sie sich damit befassen w\u00fcrden. So geht man Schritt um Schritt auf ein Bild zu. Es ist fatal, sich zu Beginn eines Prozesses auf ein Bild zu versteifen. Einen st\u00e4dtebaulichen Prozess kann man mit einem Bild strangulieren.<br \/>\n<strong>scharf:<\/strong> Zum Schluss: Wo sehen sie positive Entwicklungen?<br \/>\n<strong>Oechsli:<\/strong> Die geplante \u00dcberbauung im M\u00fchlental ist eine sehr positive Entwicklung. Nur stellt sich jetzt die Frage, ob sp\u00e4ter nicht alles Leben im M\u00fchlental stattfindet. Damit w\u00fcrde das neue Bleicheareal ein Zwischengebiet<span style=\"text-decoration: line-through;\">,<\/span> ohne eigene Identit\u00e4t<span style=\"text-decoration: line-through;\">, <\/span>bleiben.<\/p>\n<ul>\n<li>\n<h3><span style=\"font-size: 12pt;\">Artikel zum Download:<\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/1_730120_sn_die_stadt_in.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht SN vom 20.1.1973: Sch\u00f6ner leben &#8211; ohne L\u00e4rm und ohne Beton<\/a><\/span><\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/2_730127_sn_graue_zone.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht SN vom 27.1.1973: Graue Zone &#8211; und wie wir sie mit Leben f\u00fcllen<\/a><\/span><\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/shn_19980516_021-1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Interview SN vom 16.5.1998: Stadtentwicklung zwischen Vision und Stillstand (Witzig\/Deggeler\/Oechsli)<\/a><\/span><\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/shn_19980731_022.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Bericht SN vom 31.7.1998: Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine unvollendete (Stadt)Planung<\/a><\/span><\/span><\/h3>\n<p>&nbsp;<\/li>\n<li>\n<h3><span style=\"font-size: 12pt;\">Link zur Ausstellung:<\/span><\/h3>\n<h3><span style=\"text-decoration: underline;\"><span style=\"font-size: 10pt;\"><a title=\"SCHAFFHAUSEN WEITERDENKEN \u2013 das Fulachtal\" href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1434\"> SCHAFFHAUSEN WEITERDENKEN &#8211; das Fulachtal<\/a><\/span><\/span><\/h3>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Peter Oechsli, Schaffhauser Architekt und Stadtplaner, hat sich \u00fcber Jahrzehnte f\u00fcr die Stadt Schaffhausen engagiert und insbesondere in st\u00e4dtebaulichen Fragen L\u00f6sungswege vorgeschlagen. 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