{"id":1756,"date":"2016-11-09T11:07:52","date_gmt":"2016-11-09T11:07:52","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1756"},"modified":"2016-11-09T11:07:52","modified_gmt":"2016-11-09T11:07:52","slug":"neues-bauen-im-orient-und-am-rhein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1756","title":{"rendered":"Neues Bauen im Orient und am Rhein"},"content":{"rendered":"<p>Bericht \u00fcber die Veranstaltung \u201eTel Aviv \u2013 weisse Stadt&#8230; die Architektur der Moderne\u201c vom 20. September 2016<br \/>\n<strong>In Tel Aviv bot sich jungen Architekten in den 1930er Jahren ein einmaliges Experimentierfeld f\u00fcr das \u201eneue Bauen\u201c. Auch in Schaffhausens Stadtbild wurden damals modernistische Akzente gesetzt. Eine Veranstaltung des Schaffhauser Architektur Forums und der Gesellschaft Schweiz-Israel thematisierte diesen Aufbruch in die Moderne. Es referierten Micha Gross, Leiter des Bauhaus Centers Tel Aviv, und Ueli Witzig, alt-Stadtbaumeister Schaffhausen. <\/strong><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1764\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3.jpg\" alt=\"downloader\" width=\"1200\" height=\"809\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3.jpg 1200w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3-620x418.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3-768x518.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Downloader-3-940x634.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><br \/>\n\u201eIn keiner anderen Stadt gibt es so viele Geb\u00e4ude der fr\u00fchen Moderne wie in Tel Aviv\u201c, betonte Gross. W\u00e4hrend andernorts, also auch in Schaffhausen, einzelne Geb\u00e4ude im neuen Baustil erreichtet wurden, entstand in Tel Aviv ein ganzes Geflecht. Tel Aviv ist aus der alten Hafenstadt Jaffo hervorgegangen, wo sich j\u00fcdische Einwanderer zun\u00e4chst mitten im arabischen Stadtkern niederliessen. Doch nach dem Ersten Weltkrieg nahm die Einwanderung j\u00fcdischer Siedler in das damals britische Mandatsgebiet fast explosionsartig zu. 1920 z\u00e4hlte Jaffo rund 2000 Einwohner, 1948 lebten hier bereits 248&#8217;000. In einer Generation hat sich die Bev\u00f6lkerung also mehr als verhundertfacht!<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Planm\u00e4ssige Entwicklung einer Garten-Grossstadt<\/strong><br \/>\nNun k\u00f6nnte man erwarten, dass Wohnraum f\u00fcr diese massenhaft Zugewanderten v\u00f6llig chaotisch aus dem Boden schoss. Dem war aber nicht so, wie Gross ausf\u00fchrte. Vielmehr ist das moderne Tel Aviv das Ergebnis planm\u00e4ssiger Stadtentwicklung. Das erste Quartier, das um 1909 entstand, basierte auf der Idee der Gartenstadt des Briten Ebenezer Howard. Ende der 1920-er Jahre beauftragte dann der B\u00fcrgermeister von Tel Aviv Meir Dizengoff den schottischen Stadtplaner Patrick Geddes, den Bauboom in geordnete Bahnen zu lenken. Bei der Gliederung des Baugebietes in sogenannte Homeblocks mit Gr\u00fcnraum im Inneren nahm Geddes die Gartenstadtidee in neuer Form auf. So entstand weltweit einmalig eine Grossstadt als Gartenstadt, ein Ensemble aus freistehenden Geb\u00e4udestrukturen, das junge, dem neuen Bauen verpflichtete Architekten pr\u00e4gten.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Vier Vorbilder<\/strong><br \/>\nInspiriert waren diese Architekten laut Gross von vier Vorbildern: Vom Dessauer Bauhaus, von den Architekten Erich Mendelsohn und Le Corbusier sowie von den Architekturschulen belgischer Universit\u00e4ten, wo viele auch ihre Ausbildung absolviert hatten. Mendelsohn f\u00fchrte zeitweise ein Architekturb\u00fcro in Jerusalem. Am Bauhaus und bei Le Corbusier arbeiteten viele j\u00fcdische Studenten, die deren Ideen nach Tel Aviv brachten. Warum so viele belgische Architekten in Tel Aviv t\u00e4tig waren, ist laut Gross unklar. Insgesamt errichteten sie rund 4000 Geb\u00e4ude im fr\u00fchen modernen Baustil, wovon die H\u00e4lfte unter Denkmalschutz steht. Das Ensemble, die \u201eWeisse Stadt\u201c, wurde 2002 ins UNESCO-Welterbe aufgenommen.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1761\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1.jpg\" alt=\"bild1\" width=\"1200\" height=\"582\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1.jpg 1200w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1-300x146.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1-620x301.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1-768x372.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild1-940x456.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Moderne Akzente in der Schaffhauser Altstadt<\/strong><br \/>\nIm Gegensatz zu Tel Aviv war Schaffhausen eine weitgehend gebaute Stadt, als das neue Bauen Einzug hielt. So blieben die Zeugen aus dieser Zeit Einzelwerke, deren wichtigste alt-Stadtbaumeister Ueli Witzig vorstellte. Bemerkenswert ist, dass modernistische Neubauten nicht nur auf der gr\u00fcnen Wiese, sondern auch mitten in der Altstadt entstanden. Ein Beispiel daf\u00fcr ist das 1929 von Eduard Lenhard erbaute Orient, eine ehemaliges Kino und heutiges Eventlokal (in dem \u00fcbrigens die SCHARF-Veranstaltung stattfand). Trotz v\u00f6llig neuartiger, funktionaler Formensprache f\u00fcgt sich das Geb\u00e4ude gut ins altst\u00e4dtische Umfeld ein. Dies im Gegensatz zum Scalahaus (Keust &amp; Simmler), dem heutigen Kiwi-Kino. \u201eMit seinen sechs Geschossen ist es neben den kleineren Altstadth\u00e4usern ein extremer Bau\u201c, urteilt Witzig. Es stiess denn auch schon zur Bauzeit auf heftige Proteste. Am Rand der Altstadt steht ferner ein bemerkenswerter Zweckbau in bester Bauhaustradition, die City-Garage, die allerdings im Lauf der Zeit zunehmend verunstaltet wurde.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1758\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2.jpg\" alt=\"bild2\" width=\"1200\" height=\"589\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2.jpg 1200w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2-300x147.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2-620x304.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2-768x377.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild2-940x461.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/> <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1759\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3.jpg\" alt=\"bild3\" width=\"1200\" height=\"397\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3.jpg 1200w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3-300x99.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3-620x205.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3-768x254.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild3-940x311.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Eine Dom\u00e4ne der Linken<\/strong><br \/>\nDie wichtigsten Zeugen des modernen Bauens in Schaffhausen sind nebst dem GF-Verwaltungsgeb\u00e4ude im M\u00fchlental (Karl Moser) \u00f6ffentliche Geb\u00e4ude wie das Gelbhausgarten-Schulhaus (Lenhard &amp; Hagen) sowie die Turnhallen Emmersberg und das Kinderspital (beide Scherrer &amp; Meyer).<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1760\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4.jpg\" alt=\"bild4\" width=\"1200\" height=\"401\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4.jpg 1200w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4-300x100.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4-620x207.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4-768x257.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/bild4-940x314.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\nModernistische Architektur hatte ihren Ursprung nicht zuletzt in sozialen Utopien und war daher eine Dom\u00e4ne der linken Avantgarde. In Tel Aviv, wo aus einer Utopie Realit\u00e4t wurde, oder im sozialdemokratischen Schaffhausen der Bringolf-\u00c4ra stiess sie auf grosse Akzeptanz.<br \/>\nDass das neue Bauen beim Volk dann doch in Verruf geriet, erkl\u00e4rt Witzig nicht zuletzt mit den Querelen um die massiven Kosten\u00fcberschreitungen beim Bau des Gega-Schulhauses. Gegen Ende der 1930-er Jahre, so der Alt-Stadtbaumeister, sei das neue Bauen mit seinen klaren Ausformung dann ausgelaufen.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\nLink zur Veranstaltung: <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1695\">20. September 2016: Tel Aviv \u201eWeisse Stadt\u201c\u2026 die Architektur der Moderne<\/a><\/span><br \/>\nDownload: <a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bericht-SN-vom-22.9.2016_Modernistisch-Bauen-in-Schaffhausen-Kopie.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><span style=\"text-decoration: underline;\">Bericht SN vom 22.09.2016 Modernistisch Bauen in Schaffhausen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht \u00fcber die Veranstaltung \u201eTel Aviv \u2013 weisse Stadt&#8230; die Architektur der Moderne\u201c vom 20. September 2016 In Tel Aviv bot sich jungen Architekten in den 1930er Jahren ein einmaliges Experimentierfeld f\u00fcr das \u201eneue Bauen\u201c. 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