{"id":1787,"date":"2016-12-23T13:52:02","date_gmt":"2016-12-23T13:52:02","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1787"},"modified":"2023-04-15T09:28:09","modified_gmt":"2023-04-15T09:28:09","slug":"baukultur-im-kopf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1787","title":{"rendered":"Baukultur im Kopf"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1791\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file.jpg\" alt=\"\" width=\"948\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file.jpg 948w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file-620x310.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file-768x384.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/unnamed-file-940x470.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 948px) 100vw, 948px\" \/> <span style=\"font-size: 10pt;\">Kontemplative Weide: Luis Camnitzer, &#171;Landscape as an Attitude&#187; 1979, Bild: Alexander Gray Associates, New York<\/span><br \/>\n<em><strong>Diskurse \u00fcber Baukultur an Beispielen aktueller Architektur schaffen es selten, ihre positiven Aspekte direkt zu vermitteln. Da bleiben die Architekten lieber unter sich und den Laien fehlt vermeintlich das Fachverst\u00e4ndnis, um auf dieser oft komplexen Flugh\u00f6he mitzuhalten. Deshalb schl\u00e4gt die Volksmeinung (Leserbriefe, Stammtischgespr\u00e4che, politische Debatten) in der Bewertung von Architektur oft in ein vereinfachtes und negativ besetztes Monieren \u00fcber vordergr\u00fcndig erfasste Baum\u00e4ngel um. Dies ist besonders dann der Fall, wenn es um die nichtmessbaren Qualit\u00e4ten von Architektur geht. Es f\u00e4llt auf, wie schnell die Entscheidungstr\u00e4ger die entsprechenden Positionen im Budget finden und als \u00fcberfl\u00fcssig streichen, weil im Volksmund dieses Gewisse Etwas ja sowieso Geschmacksache ist und deshalb keinem unmittelbaren Zweck dient.<\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong> F\u00fcr ein Architektur Forum stellt sich schnell einmal die Frage: \u201eWelche Ziele verfolgen die in Planungs-und Bauprozesse involvierten Akteure \u2013 Auftraggeber, Investor, Architekt, Planer und Unternehmer, die baubewilligende Beh\u00f6rde, die Politiker, und schlussendlich auch eine interessierte Bev\u00f6lkerung \u2013 wenn sie sich um \u201aBaukultur\u2019 bem\u00fchen?<\/strong><\/em><br \/>\n<strong>Wer bewirkt Meinungsbildung?<\/strong><br \/>\n\u201eStararchitekten setzen sich mit ihren Ideen ein Denkmal\u201c, \u201eDesign verteuert die Baukosten\u201c, \u201eLuxusarchitektur versus Zweckbau\u201c<br \/>\nSchnell sind es jeweils die Architekten, welche als Planer und damit Verursacher dieser \u201a\u00dcberfl\u00fcssigkeiten\u2019 den Kopf hinhalten m\u00fcssen.<br \/>\nIm Zeitalter, in dem bewusst ver\u00f6ffentlichte \u201aFake News\u2019 eine eigene Meinungsbildung erschweren, entwickeln solche zwischen die Zeilen eingestreuten Begrifflichkeiten im \u00f6ffentlichen Diskurs eine nicht zu untersch\u00e4tzende populistische Wirkung, die sp\u00e4testens dann, wenn Mehrheiten gesucht werden, eingesetzt werden.<br \/>\n<strong>Architektur ist mehr als nur Bauen!<\/strong><br \/>\nGebaut wird permanent und \u00fcberall. Deshalb ist Architektur ein Qualit\u00e4tsbegriff einer kollektiven Disziplin. Sie lebt bestenfalls vom Engagement Einzelner, die im Kollektiv mehr wollen als Bauparzellen m\u00f6glichst schnell und gewinnbringend zu \u00fcberbauen. Leider erm\u00f6glichen die Baugesetzte \u2013 trotz erkannter Qualit\u00e4tskontrollen \u2013 immer noch die Kehrseite davon.<br \/>\nTrotzdem&#8230; ein verantwortungsvoller Architekt versteht es \u2013 seine berufliche Kompetenz nach einem vertieften Fachstudium und Berufserfahrung vorausgesetzt \u2013 einen Planungsprozess im Bewusstsein des dazugeh\u00f6rigen Kontexts, d.h. als qualit\u00e4tsvolle Ver\u00e4nderung eines Ortes abzuwickeln. Es gilt dabei, \u00fcber alle Stationen eines Bauprozesses hinweg funktionale, konstruktive, formale und auch soziale Aspekte in einem gleichzeitigen Miteinander zu entwickeln, zu hinterfragen, den Beteiligten vorzuschlagen und umzusetzen. Dass dabei diese Gesamtleistung transparent innerhalb eines zu kontrollierenden Kostenrahmens geschieht, ist vorausgesetzt. Innerhalb dieser Fachkompetenz wird kein \u201aDesign\u2019 \u00fcberleben, welches ein Architekt aus pers\u00f6nlicher \u201aProfilierungssucht\u2019 einem Geb\u00e4ude am Schluss noch aufsetzen will!<br \/>\nBaukultur entsteht, wenn alle Akteure in ihrer Kompetenz Optimales erm\u00f6glichen wollen, Qualit\u00e4t anstreben, \u00fcber ein kritisches Vorstellungsverm\u00f6gen verf\u00fcgen, keine Angst haben und sich als \u201aK\u00fcmmerer\u2019 \u00fcberdurchschnittlich einbringen. Dass dieser Prozess nicht ganz einfach ist und in unterschiedlichen Haltungen auch direkte und konsequente Auseinandersetzungen aller Beteiligten voraussetzt, ist logisch!<br \/>\nDie oben erw\u00e4hnte Meinungsdifferenz zwischen Fachleuten und Laien beruht meistens auf einem Misstrauen in die jeweilige Kompetenz des anderen. Die Kompetenz eines Laien versus die Fachkompetenz eines Architekten f\u00fcr das Thema \u201aBaukultur\u2019, liegt subjektiv betrachtet aber viel n\u00e4her, als viele Architekten und auch Politiker glauben!<br \/>\nBaukultur ist \u201eLebens- und B\u00fcrgertum\u201c. Ich wage die These, dass jeder kompetent sein kann und in einer B\u00fcrgerpflicht sogar dazu verpflichtet werden kann, seine Umgebung wahrzunehmen, zu reflektieren, um daraus ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine eigene subjektive Meinung zu entwickeln&#8230; weil Kultur, Architektur, Bauen und Wohnen die umfassendste Thematik im sozialen Zusammenleben von Menschen ist.<br \/>\n<strong>Durch das Verst\u00e4ndnis von Baukultur lernt man zu leben!<\/strong><br \/>\nEs geht darum, dass Menschen erfahren k\u00f6nnen, wie Raum Wirkung zeigt und welche Funktion Baukultur in unserer Gesellschaft hat. Baukultur verstehen und vermitteln heisst: Ordnung lesen, Strukturen verstehen, Systeme erfassen, Visionen entwickeln k\u00f6nnen. (Quelle: <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.spacespot.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spacespot<\/a><\/span>)<br \/>\nDiese Auseinandersetzung kann im Innersten bei jedem selbst beginnen und endet ein Leben lang nie! In der kritischen Reflektion meines t\u00e4glichen Unterwegsseins in Bezug zu meinem Verhalten erfahre ich mein Vokabular, mit dem ich schnell auch die Qualit\u00e4tsmerkmale meines n\u00e4heren Lebensraumes erkennen kann.<br \/>\nDurch den regelm\u00e4ssigen Austausch mit anderen Meinungstr\u00e4gern (Diskurs) lerne ich meine Meinung einzubringen. Meine Subjektivit\u00e4t wird justiert und ich kann sie relativiert in einem Konsens objektivieren.<br \/>\nDurch diese kritische Aufmerksamkeit und mein stetiges interessiertes \u201aNachschlagen\u2019 in \u00fcberlieferten Meinungen zu einer Sache, w\u00e4chst meine Kompetenz. Durch die Tatsache, dass jeder von uns wohnt, ist auch jeder ein \u201aDirektbetroffener\u2019 und durch die Anwendung dieser permanenten T\u00e4tigkeit \u201awohnen\u2019 kompetent genug, um sich auch \u00f6ffentlich zu dieser lebensnahen Thematik einzubringen.<br \/>\nDie Frage ist jedoch, in welcher Rolle und aus welchem Interesse man \u201aMitbeteiligter\u2019 ist und wie weit man an \u201aBaukultur\u2019 partizipieren will?<br \/>\n<strong>Architekturvermittlung<\/strong><br \/>\nVermittlung von Architektur und Baukultur ist in der Schweizerischen Bildungspolitik gemessen an der grossen Notwendigkeit noch nicht selbstverst\u00e4ndlich. Die Dachorganisation SPACESPOT sowie verschiedene Interessensgruppen bem\u00fchen sich seit Jahren um eine breitere Verankerung in den Schulen, mit dem Ziel die n\u00e4chste Generation viel selbstverst\u00e4ndlicher in diesen wichtigen Diskurs \u00fcber die Baukultur einzubinden.<br \/>\nBaukultur ist aber weit mehr als nur Unterrichtsfach. Unsere Generationen werden immer \u00e4lter. Die Weichen zu wichtigen Entscheidungen in der permanenten Umw\u00e4lzung unseres Lebensraumes werden heute unmittelbar gestellt. Deshalb k\u00fcmmert sich SCHARF in regelm\u00e4ssigen Veranstaltungen ganz speziell auch um die Vermittlung der Ver\u00e4nderungen unseres Lebensraumes. Zielpublikum sind Sie als wacher, aufmerksamer und kritischer (Stimm-) B\u00fcrger, ganz speziell auch dann, wenn Sie gerade nicht Architektur studiert haben!<br \/>\nIch kann Ihnen versprechen, dass wir uns im kommenden Jahr in verschiedenen Veranstaltungen in die oben beschriebenen Themen vertiefen werden und kann mir gut vorstellen, dass Sie sich bei einigen davon direkt betroffen f\u00fchlen. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen zu diskutieren.<br \/>\nF\u00fcr den Vorstand:\u2028 Christian W\u00e4ckerlin, Pr\u00e4sident SCHARF<br \/>\n_<br \/>\n<strong>Sensibilisierungsmassnahmen f\u00fcr Baukultur:<\/strong><br \/>\n\u0003Die St\u00e4rkung des Bewusstseins von Politik und Gesellschaft f\u00fcr die Bedeutung der Baukultur in der Schweiz ist angesichts der aktuellen Herausforderungen dringend, weswegen das BAK bereits ab 2016 Sensibilisierungsmassnahmen f\u00fcr eine umfassende Baukultur lanciert.\u0003<br \/>\nQuelle: Botschaft zur F\u00f6rderung der Kultur in den Jahren 2016-2020<br \/>\nJeder ist frei, mit einem Knopfdruck das Radio auszuschalten, den Konzertsaal, das Kino oder das Theater unbesucht und ein Buch ungelesen zu lassen. Doch keiner kann die Augen verschliessen vor den Geb\u00e4uden, welche die B\u00fchne unseres Lebens bilden.<br \/>\nQuelle und Zitat: <span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.spacespot.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spacespot<\/a><\/span><br \/>\nLinks:\u0003<\/p>\n<blockquote><p><span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.spacespot.ch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Spacespot<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"http:\/\/www.ville-en-tete.ch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ville en t\u00eate<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/www.creaviva-zpk.org\/de\/schulen\/kunst-und-architektur\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Creaviva: Kunst und Architektur\u0003<\/a><\/span><br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><a href=\"https:\/\/openhouse-zuerich.org\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Openhouse Z\u00fcrich<\/a><\/span><\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kontemplative Weide: Luis Camnitzer, &#171;Landscape as an Attitude&#187; 1979, Bild: Alexander Gray Associates, New York Diskurse \u00fcber Baukultur an Beispielen aktueller Architektur schaffen es selten, ihre positiven Aspekte direkt zu vermitteln. 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