{"id":1871,"date":"2017-04-03T14:03:22","date_gmt":"2017-04-03T14:03:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1871"},"modified":"2017-04-03T14:03:22","modified_gmt":"2017-04-03T14:03:22","slug":"referat-von-s-am-direktor-andreas-ruby-in-schaffhausen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1871","title":{"rendered":"Referat von S AM-Direktor Andreas Ruby in Schaffhausen"},"content":{"rendered":"<p><strong>DAS S AM AUF NEUEN WEGEN<br \/>\n<\/strong><strong>1. M\u00e4rz 2017 auf der Haberhaus B\u00fchne in Schaffhausen: Referat von Andreas Ruby, Direktor S AM &#8211; Schweizerisches Architekturmuseum Basel<\/strong><br \/>\n<em>Seit dem 1. Mai 2016 leitet Andreas Ruby das S AM (Schweizerisches Architekturmuseum) Basel. Er ist in der ganzen Schweiz unterwegs, um sich dem architekturinteressierten Publikum vorzustellen und sich mit den verschiedensten Akteuren zu vernetzen. Dabei ist ihm wichtig, nicht nur \u201eeingeweihte\u201c Fachpersonen zu erreichen, sondern Architektur spielerisch und durchaus auch humorvoll einem Laienpublikum zug\u00e4nglich zu machen. <\/em><br \/>\nSeine Abschlussarbeit \u00fcber Rodin f\u00fchrte Andreas Ruby nach Paris. Dort stolperte er buchst\u00e4blich \u00fcber Architektur und merkte schmerzhaft mit einer Beule am Kopf, dass \u201eArchitektur \u00fcberall ist\u201c. E lernte Architekten kennen und merkte, dass ihm die Besch\u00e4ftigung mit dem Thema Spass machte. Er fing an, dar\u00fcber zu schreiben, entschied sich aber gegen ein Architekturstudium, weil er es wichtiger fand, eine Sprache zu finden, mit der er auch ein Laienpublikum erreichen und f\u00fcr Architektur begeistern konnte.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1867 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1-620x474.jpg\" alt=\"Ruby_1\" width=\"620\" height=\"474\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1-620x474.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1-300x229.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1-768x587.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1-940x718.jpg 940w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_1.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><br \/>\nWie Architektur die Wahrnehmung unserer Umgebung ver\u00e4ndern kann, zeigte Ruby anhand von Ausschnitten aus Filmen von Louis Bu\u00f1uel und Jacques Tati, die in vielen ihrer Filme auf humoristische Weise Nutzung und Funktion von Architekturelementen ins Zentrum der Handlung stellten und damit durchaus auch Architektur-Kritik betrieben. Oder mittels eines Ausschnitts aus Hitchcocks \u201eRear Window\u201c, einem Film, dessen Spannung sich vor allem mit der \u00fcber den Hof beobachteten Handlung im Haus gegen\u00fcber entwickelt.<br \/>\nIn seinem engagierten und lebhaften Referat erl\u00e4uterte Ruby in verschiedenen Beispielen, dass der Nutzer von Architektur \u2013 also wir alle t\u00e4glich und \u00fcberall \u2013 der wichtigste Akteur f\u00fcr das Erkennen von Qualit\u00e4t ist. Oft verstehen die Architekten Entwurf, Konzeption, Planung und Umsetzung eines Hauses als abgeschlossenen Prozess. Dabei beginnt die interessanteste Zeitspanne nach der Fertigstellung des Hauses, wenn die Nutzer einziehen: \u201eDer Architektur-Prozess ist die Schwangerschaft, die Fertigstellung ist die Geburt, und das Leben beginnt nach dem Einzug.\u201c<br \/>\nNeues Leben wurde dem vom Abriss bedrohten Wohnhochhaus \u201eTour Bois le Pr\u00eatre\u201c ausserhalb von Paris gegeben. Statt es abzureissen, sanierten die Architekten Druot, Lacaton &amp; Vassal das Geb\u00e4ude und erg\u00e4nzten dessen \u00e4ussere Struktur mit verglasten Winterg\u00e4rten. Die einzelnen Wohnungen erhielten bis zu 40% mehr Wohnfl\u00e4che \u2013 bei gleich bleibenden Mietzinsen und ohne, dass die Bewohner ausziehen mussten. Dieses Konzept k\u00f6nnte f\u00fcr Architekten, Stadtplaner, Denkmalsch\u00fctzer, Entwickler und Politiker Modellcharakter haben.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.detail.de\/artikel\/druot-lacaton-vassal-transformation-eines-60er-jahre-wohnhochhauses-9570\/\">http:\/\/www.detail.de\/artikel\/druot-lacaton-vassal-transformation-eines-60er-jahre-wohnhochhauses-9570\/<\/a><br \/>\nRuby, der Architektur am liebsten lustvoll vermittelt, \u00fcbernahm 2013 f\u00fcr eine Ausstellung am Deutschen Architektur Zentrum Berlin \u00fcber den \u201eTour Bois le Pr\u00eatre\u201c Innenansichten des Geb\u00e4udes in Form von Fototapeten, erg\u00e4nzte diese mit echten M\u00f6beln und Pflanzen und gab den Besuchern den Eindruck, als ob sie sich in den R\u00e4umen selbst bef\u00e4nden. Dieses architektonische Trompe d\u2019Oeil machte den Besuchern so grossen Spass, dass sie stundenlang verweilten. Rubys Architekturvermittlung will m\u00f6glichst direkt und massstabsgetreu den Betrachter besch\u00e4ftigen und in einem Wahrnehmungs-, Denk- und Erlebnisprozess sensibilisieren.<br \/>\nAls Beispiel von Architektur, die einem oft vor der Nase steht, aber nicht wahrgenommen wird (\u201eUnsere St\u00e4dte sind h\u00f6her als nur das Erdgeschoss!\u201c), ist die \u00f6ffentlich zug\u00e4ngliche, aber trotzdem weitgehend unbekannte Dachterrasse des Universit\u00e4tsspitals Basel des Architekten Hermann Baur aus dem Jahre 1945, die heute dem medial gefeierten Bau des Pharmazeutischen Instituts von Herzog &amp; de Meuron aus den 90er Jahre gegen\u00fcber steht. Ruby liebt das Entdecken solcher Trouvaillen \u2013 und die Aussicht von der Terrasse.<br \/>\nEine wunderbar gelungene Zusammenarbeit zwischen Architekten, Denkmalpflege und Beh\u00f6rden findet Ruby die Einf\u00fcgung moderner Arkaden in den bestehenden alten Stadtraum am Marktplatz von Leipzig. Solchen Mut zur Transformation von altehrw\u00fcrdigen Situationen in die aktuelle Zeit, solche Offenheit im heutigen \u201aJetzt\u2019 statt eng verstandenem Denkmalschutz w\u00fcnscht er sich vermehrt.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1869 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_3-620x420.jpg\" alt=\"Ruby_3\" width=\"620\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_3-620x420.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_3-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_3-768x520.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_3-940x636.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><br \/>\nMit seiner ersten Ausstellung am S AM brachte Ruby frischen Wind in die Architekturvermittlung. \u201eImagine la Suisse\u201c sprengte den Rahmen der Museums-Innenr\u00e4ume mittels technisch perfekter Inszenierung (der Z\u00fcrcher Architekten Mateja Vehovar und Stefan Juslin) mehr oder weniger bekannter gebauter R\u00e4ume aus der Schweiz. Die Ansichten wurden an die Fenster des S AM projiziert &#8211; die museale Schwellenangst wurde aufgehoben, weil die Ausstellung den Aussenkontext des Museums bespielt und die Betrachter im Alltag bei Vorbeigehen und Vorbeifahren fesselt. <a href=\"http:\/\/www.sam-basel.org\/de\/ausstellungen\/imagine-la-suisse\">http:\/\/www.sam-basel.org\/de\/ausstellungen\/imagine-la-suisse<\/a><br \/>\nDie aktuelle Ausstellung \u201eschweizweit\u201c spiegelt Rubys Vision f\u00fcr das S AM wider: schwellenlos, zeitgen\u00f6ssisch, kollaborativ, schweizweit. In Zusammenarbeit mit 162 Architekturb\u00fcros aus allen Landesteilen hat das S AM einen visuellen Atlas der aktuellen Schweizer Bauproduktion erstellt. Durch grossformatige Projektionen wird die Schweiz ins Museum geholt. Die Ausstellung zeigt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Themen, Inhalten und formalen Strategien, die Schweizer Architekten heute besch\u00e4ftigen.<br \/>\nRuby will \u201esein\u201c S AM als DAS Architekturmuseum in den K\u00f6pfen verankern und es nach aussen tragen, indem er k\u00fcnftig mit verschiedenen Projekten die ganze Schweiz bespielt. Er m\u00f6chte das Museum ins Land hinaus bringen und den Menschen Erfahrungen erm\u00f6glichen, die \u00fcber das \u201eich als grosser Mensch stehe vor einem kleinen Haus\u201c im hinl\u00e4nglichen Ausstellungskonzept hinausgehen.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-1868 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2-620x477.jpg\" alt=\"Ruby_2\" width=\"620\" height=\"477\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2-620x477.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2-300x231.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2-768x590.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2-940x722.jpg 940w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/04\/Ruby_2.jpg 1240w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><br \/>\nUnd der Bezug zu Schaffhausen? Dass Andreas Ruby sein Referat vor einer sehr kleinen Zuschauerschar h\u00e4lt, mag ob der Qualit\u00e4t des Anlasses erstaunen und befremden. Aber vielleicht ist diese Tatsache auch der Beweis f\u00fcr Rubys Feststellung: dass Architekturvermittlung einer viel einfacheren Sprache bedarf, die Schwellen\u00e4ngste abbaut und ein Interesse f\u00fcr eine Sache weckt, die uns alle angeht. Hier liegt auch das Anliegen von SCHARF, das eine Plattform bieten will f\u00fcr den Diskurs, den Austausch von Ideen und die Auseinandersetzung und Meinungsbildung.<br \/>\n<span style=\"text-decoration: underline;\"><em><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1888\">Link zum Bericht \u00fcber den SCHARF-Mitglieder-Ausflug nach Basel, 7.4.2017<\/a><\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DAS S AM AUF NEUEN WEGEN 1. M\u00e4rz 2017 auf der Haberhaus B\u00fchne in Schaffhausen: Referat von Andreas Ruby, Direktor S AM &#8211; Schweizerisches Architekturmuseum Basel Seit dem 1. Mai 2016 leitet Andreas Ruby das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1870,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,1],"tags":[],"class_list":["post-1871","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berichte","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1871","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1871"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1871\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1870"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1871"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1871"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1871"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}