{"id":1985,"date":"2017-09-28T14:21:39","date_gmt":"2017-09-28T14:21:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1985"},"modified":"2017-09-28T14:21:39","modified_gmt":"2017-09-28T14:21:39","slug":"kontroverser-beton","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1985","title":{"rendered":"Kontroverser Beton"},"content":{"rendered":"<p><em>Selbst an preisgekr\u00f6nter Architektur k\u00f6nnen sich die Geister scheiden. In einer von SCHARF organisierten Lesung im Kreuzgang anl\u00e4sslich der Museumsnacht 2017 stellt der Architekt Christian Scheidegger die Meinung vier verschiedener Seiten zu seinem \u201eHaus mit zwei St\u00fctzen\u201c am Sarnersee vor.<\/em><br \/>\nDie Mauern des Kreuzgangs vom Museum zu Allerheiligen trafen bis Mitte September auf Bilder moderner und teilweise verspielter Betonbauten. SCHARF hatte die Ausstellung \u201eArchitekturpreis Beton 17\u201c nach Schaffhausen geholt. Der Preis wird alle vier Jahre an Projekte vergeben, welche das Potenzial von Beton in besonderer Weise aufzeigen. Nebst dem Hauptpreis und mehreren Anerkennungspreisen wird jeweils ein F\u00f6rderpreis an JungarchitektInnen verliehen. Gewonnen hat ihn dieses Jahr das Atelier Scheidegger Keller aus Z\u00fcrich. Im Rahmen der Museumsnacht kamen Christian Scheidegger, J\u00fcrg Keller und Martin Kugelmeier nach Schaffhausen. Um die Vielschichtigkeit ihres Projekts \u201eHaus mit zwei St\u00fctzen\u201c zu unterstreichen, haben sie sich eine originelle Lesung einfallen lassen: Die Architekten zitierten vier Personen mit unterschiedlichen Bez\u00fcgen zum Haus. Auf einer Leinwand zeigten sie w\u00e4hrenddessen Fotografien oder einen Film \u00fcber die Entstehung und Bewohnung des Hauses. Durch diese Vermittlungsform wurde das Wesen des speziellen Privathauses am Sarnersee sp\u00fcrbar.<br \/>\n<strong>Y-f\u00f6rmige St\u00fctzen und ein Zeltdach<br \/>\n<\/strong>Die Meinungen \u00fcber das \u201eHaus mit zwei St\u00fctzen\u201c gehen auseinander. Da w\u00e4re zum einen der Tessiner Mario Monotti, Bauingenieur des Hauses. Auf Italienisch spricht er aus Lautsprechern \u00fcber die strukturellen Gegebenheiten. Man h\u00f6rt, dass das rundum verglaste Haus aus lediglich drei Elementen besteht: dem Sockel, zwei Y-f\u00f6rmigen Ortbetonst\u00fctzen und dem Zeltdach in Beton. Der 100 m2 grosse Innenraum ist in drei Terrassen unterteilt, die drei unterschiedliche Blickwinkel auf den See erlauben. Wer Italienisch versteht, erf\u00e4hrt hier viele interessante Eckpunkte. F\u00fcr alle anderen sind vor allem die starken Schwarz-Weiss-Bilder, die sich im Hintergrund abspielen, spannend. So, wie sich der Text langsam mit dem Aufbau des Hauses befasst, verfolgen auch die Bilder Schritt f\u00fcr Schritt die Entstehung des Geb\u00e4udes. Langsam nimmt es Gestalt an.<br \/>\n<strong>Ein gar \u201ekomisches Objekt\u201c<br \/>\n<\/strong>Diese Gestalt sagt nicht allen zu; das wird im n\u00e4chsten Text sofort klar. Wer bei den technischen Ausf\u00fchrungen zuvor den Faden etwas verloren hatte, muss jetzt laut loslachen, als Scheidegger aus dem wenig schmeichelhaften Mail eines Nachbarn des Hauses zitiert. Obwohl der Autor der Nachricht meint, er gebe lediglich wieder, was man in Obwalden halt so diskutiere, wird deutlich: Hier \u00e4rgert sich jemand ganz gewaltig. \u00dcber die Form des Hauses. Das Material. Die angebliche Unf\u00e4higkeit der Architekten, ja, eigentlich \u00fcber jeden Millimeter dieses \u201ekomischen Objekts\u201c. Scheidegger kann sich beim Vorlesen das Lachen selbst nicht verkneifen. Er nimmt die Kritik locker, versteht sie gar als Kompliment. Denn solche Reaktionen zeigen, dass die eigenen Werke die Menschen nicht kaltlassen. Man setzt sich pl\u00f6tzlich mit der Frage auseinander: Ist das Haus noch Haus oder eher schon Objekt?<br \/>\n<strong>Mit \u201eProblemen\u201c neue Wege gehen<br \/>\n<\/strong>Ein feines Augenzwinkern ist auch den n\u00e4chsten beiden Einsch\u00e4tzungen zu entnehmen. Architekt Raphael Zuber meint, diese Konstruktion mache eigentlich keinen Sinn. Er lobt aber den Mut der Architekten, sich ein solches \u201eProblem\u201c zu stellen, um geistig und konstruktiv neue Wege zu gehen. Der Architekturjournalist Palle Petersen beschreibt, wie sich das Haus dezent in die Uferlandschaft einf\u00fcgt, die Fassade entlang der Topographie l\u00e4uft und so etwas Verbindendes schafft. Petersen wie auch der Architekt Raphael Zuber scheinen fasziniert von den Gegens\u00e4tzen: Zwischen Innen- und Aussenraum herrscht ein Spannungsverh\u00e4ltnis. Das Geb\u00e4ude wirkt von aussen einfach, innen aber entfaltet sich die ganze Kraft der beiden St\u00fctzen und des Dachs, das \u00fcber der st\u00fctzenfreien Fassade schwebt. Gleichzeitig ist die Aussicht aus dem beschatteten Innenraum auf den Sarnersee und die Landschaft umwerfend. Die robuste Sch\u00f6nheit zeigt sich im Schwarz-Weiss-Film dazu. Gefilmt w\u00e4hrend es draussen regnet, entstehen keine harten Kontraste, die feinen Verl\u00e4ufe des Baus werden erkennbar. W\u00e4hrend die Aussenwelt so dichter wirkt, strahlt der Innenraum trotz seiner Monumentalit\u00e4t eine Leichtigkeit aus. Petersen kritisiert die fehlende Wohnlichkeit \u2013 eine Meinung, der Scheidegger selbst zwar widerspricht, einige der im Kreuzgang Anwesenden aber teilen: Man w\u00fcrde sich in diesem verglasten Raum exponiert f\u00fchlen. Andere wundern sich eher \u00fcber die eigenwillige Einrichtung (der aktuelle Mieter scheint leidenschaftlich zu sammeln).<br \/>\nAlle diese Diskussionen zeigen: Mutige, innovative Architektur l\u00f6st weit mehr Kontroversen aus als die fehlende Qualit\u00e4t durchschnittlicher Bauten. Und das ist auch gut so.<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1982\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2.jpg\" alt=\"2\" width=\"600\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2.jpg 600w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/2-300x213.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1981\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1.jpg\" alt=\"1\" width=\"518\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1.jpg 518w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/1-300x347.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 518px) 100vw, 518px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1983\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3.jpg\" alt=\"3\" width=\"600\" height=\"523\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3.jpg 600w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/3-300x262.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<em><a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=1919\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ausstellung Architekturpreis Beton 17 in Schaffhausen &#8211; diverse Presseberichte<\/a><\/em><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbst an preisgekr\u00f6nter Architektur k\u00f6nnen sich die Geister scheiden. In einer von SCHARF organisierten Lesung im Kreuzgang anl\u00e4sslich der Museumsnacht 2017 stellt der Architekt Christian Scheidegger die Meinung vier verschiedener Seiten zu seinem \u201eHaus mit [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":1984,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,1],"tags":[],"class_list":["post-1985","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berichte","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1985","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1985"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1985\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/1984"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1985"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1985"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1985"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}