{"id":2160,"date":"2018-06-06T12:41:53","date_gmt":"2018-06-06T12:41:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2160"},"modified":"2018-06-06T12:41:53","modified_gmt":"2018-06-06T12:41:53","slug":"artgerechtes-wohnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2160","title":{"rendered":"&quot;Artgerechtes&quot; Wohnen"},"content":{"rendered":"<p><em>Leben wir im optimalen Raum? Dieser Frage geht der \u00f6sterreichische Stadtplaner Reinhard Seiss in seinem Film nach. \u201eH\u00e4user f\u00fcr Menschen \u2013 Humaner Wohnbau in \u00d6sterreich\u201c portr\u00e4tiert vier nachhaltige Alternativen zum Wohnen im Einfamilienhaus. SCHARF hat Seiss\u2019 Film im Kiwi gezeigt und mit dem Regisseur vor Ort dar\u00fcber diskutiert.<\/em><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2163 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi1-620x447.jpg\" alt=\"bi1\" width=\"620\" height=\"447\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi1-620x447.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi1-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi1-768x553.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi1.jpg 794w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/>\u201eWir bewegen uns im Laufe unseres Lebens haupts\u00e4chlich im gebauten Raum\u201c, meint SCHARF-Pr\u00e4sident Christian W\u00e4ckerlin zu den etwa 50 Anwesenden im Kino. Da sollten wir uns doch fragen, wie wir ein m\u00f6glichst menschenw\u00fcrdiges Wohnen f\u00fcr alle schaffen k\u00f6nnen. Aber: \u201eBei Tieren reden wir st\u00e4ndig von artgerechter Haltung. Doch beim Menschen spricht niemand dar\u00fcber, wie er wohnen muss, damit er gl\u00fccklich ist\u201c, stellt Architekt Harry Gl\u00fcck im Film fest. F\u00fcr 80% der \u00d6sterreicherInnen ist das Einfamilienhaus mit Garten immer noch der Wohntraum schlechthin, obwohl es weder sozial noch \u00f6kologisch Sinn macht. Stadtplaner Reinhard Seiss stellt die These auf, dass es so viele Einfamilienh\u00e4user gibt, weil der aktuelle Wohnungsbau nicht gut genug ist. Er portr\u00e4tiert in \u201eH\u00e4user f\u00fcr Menschen\u201c vier Alternativen dazu. Sie zeigen, dass man dabei auf nichts verzichten muss; im Gegenteil.<br \/>\nAls Einstieg zeigt SCHARF die zwischen 1957 und 1960 erbaute Pioniersiedlung Halen in Bern und die daran angelehnte Siedlung Gruben in Schaffhausen. Halen schaffte es erstmals, die Qualit\u00e4t vom Einfamilienhaus mit Garten auf ein vertr\u00e4gliches Mass zu schrumpfen und gleichzeitig Qualit\u00e4t f\u00fcr m\u00f6glichst viele zu bieten. So wurde die Siedlung Vorbild f\u00fcr die \u00f6sterreichische Gartenstadt Puchenau, die Seiss\u2019 Film portr\u00e4tiert.<br \/>\n<strong>Eigene kleine Universen<br \/>\n<\/strong>Puchenau bei Linz ist das Lebenswerk von Architekt Roland Rainer. Mit seiner Vorstellung vom menschengerechten, \u00f6kologischen Wohnen pr\u00e4gte er Generationen von ArchitektInnen. Die verdichtete Flachbausiedlung an der Donau besteht aus fast 1000 Wohneinheiten f\u00fcr \u00fcber 2000 Menschen. Ihren Bed\u00fcrfnissen ist der Aufbau der einzelnen Wohnungen angepasst; f\u00fcr den Bau von Puchenau II hat man die BewohnerInnen explizit nach Verbesserungsvorschl\u00e4gen gefragt. Es gibt einen Kindergarten, Apotheken, L\u00e4den, ein Pfarrzentrum. Und \u00fcberall wachsen Pflanzen, nicht umsonst nennt sich Puchenau \u201eGartenstadt\u201c. Rainer war der Ansicht, f\u00fcr den Menschen sei der direkte Bezug nach draussen \u00e4usserst wichtig. So sind zahlreiche der eingeschossigen Wohneinheiten Atriumh\u00e4user \u2013 die Innenh\u00f6fe bilden dabei ein eigenes, kleines Universum. Teiche, Kakteen, B\u00e4ume; in den sch\u00f6nen Luftaufnahmen offenbart sich ein intimes Mosaik von G\u00e4rten. Sie bieten den BewohnerInnen individuelle Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und Privatsph\u00e4re. Gleichzeitig erlauben verschiedene architektonische Elemente in Puchenau den sozialen Austausch mit den NachbarInnen: Kurze Wege etwa zwischen den einzelnen H\u00e4usern oder auch die Hauptstrasse in der Stadt, auf der man Feste feiert und Kinder unbeaufsichtigt spielen. Auch \u00f6kologisch ist Puchenau sinnvoll. Dank passiver Solarenergienutzung beispielsweise kann Strom gespart werden. Zudem haben Studien gezeigt, dass Puchenau eine \u00fcberaus kosteng\u00fcnstige Wohnform ist. Wasser- oder Strassenerschliessungen kosten bei Einfamilienh\u00e4usern fast 3.5 Mal mehr.<br \/>\n<strong>Das gr\u00f6sstm\u00f6gliche Gl\u00fcck<br \/>\n<\/strong>Dass gewisse Elemente, die vermeintlich am Einfamilienhaus h\u00e4ngen, auch in anderen Wohnformen m\u00f6glich sind, zeigt das zweite Beispiel, die \u201eSargfabrik\u201c in Wien. Die Anlage gilt als vorbildhaft f\u00fcr partizipatives Wohnen: 1996 taten sich K\u00fcnstlerInnen und ArchitektInnen zum Kollektiv BKK-1\/BKK-3 zusammen, um in einer ehemaligen Sargfabrik ihre eigenen Vorstellungen vom vollwertigen Wohnen zu realisieren. Entstanden ist eine Drehschreibe f\u00fcr ein ganzes Quartier. Weil die Sargfabrik eben mehr Wohnfacetten bietet, die der Mensch zum Gl\u00fccklichsein braucht, als die \u201enormale\u201c Architektur. Sie ist ein \u201eWohnheim\u201c, wo es ein Restaurant gibt, R\u00e4ume f\u00fcr betreutes Wohnen, ein Dachgarten oder ein Schwimmbad, wo sogar schon Theaterauff\u00fchrungen stattfanden. Die luftigen Wohneinheiten \u2013 wegen der baulichen Einschr\u00e4nkungen teilweise \u00e4usserst kreativen Grundrisses \u2013 bieten Platz f\u00fcr verschiedene Wohngemeinschaften; vom Paar mit Kind bis zur Alters-WG. Zentral f\u00fcr das Funktionieren der Anlage ist die Kommunikation. Weil so viele Menschen am Entstehen der Anlage beteiligt waren, f\u00fchlen sie sich auch alle f\u00fcr deren Wohlergehen verantwortlich. Die BewohnerInnen tauschen sich dazu rege aus, sei es beim W\u00e4schewaschen oder im Diskussionsraum. Diese Kontaktm\u00f6glichkeiten erleichtern gerade Betreuungsaufgaben und verringern das Risiko, zu vereinsamen. Kurz: Hier scheint tats\u00e4chlich die gr\u00f6sstm\u00f6gliche Anzahl Menschen das gr\u00f6sstm\u00f6gliche Gl\u00fcck gefunden zu haben.<br \/>\n<strong>Sozialer Wohnbau als Standard<br \/>\n<\/strong>Wie aber kann man derart zufriedenstellende Wohnformen einer breiteren Bev\u00f6lkerung zug\u00e4nglich machen? Regisseur Seiss hat mehrere Antworten: Einerseits soll die Politik Alternativen zum Einfamilienhaus f\u00f6rdern, finanziell wie in der Bodenordnung. Andererseits sieht er ArchitektInnen in der Pflicht. Sie sollten vermehrt neue Wege gehen und \u2013 Seiss ist provokativ\u2013 sozialen Wohnbau nicht bloss als Prestigeprojekte wahrnehmen. Nicht zuletzt aber muss die Gesellschaft bereit sein, aktiv mitzugestalten. Das braucht manchmal \u00dcberwindung. Ein Bewohner von Puchenau erz\u00e4hlt, wie er als Sch\u00fcler zum ersten Mal die Siedlung sah und fand: \u201eDa w\u00fcrd ich niemals hinziehen!\u201c<br \/>\nEr wohnt nun seit 30 Jahren dort. Und m\u00f6chte nie wieder weg.<br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter wp-image-2164 size-medium\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi2-620x378.jpg\" alt=\"bi2\" width=\"620\" height=\"378\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi2-620x378.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi2-300x183.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/bi2.jpg 709w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2143\"><span style=\"text-decoration: underline;\"><em>WOHNFORMEN &#8211; Veranstaltungsreihe Teil 2 (Kinofilm &#171;H\u00e4user f\u00fcr Menschen&#187;)<\/em><\/span><\/a><br \/>\n&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben wir im optimalen Raum? 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