{"id":2370,"date":"2019-04-29T17:18:27","date_gmt":"2019-04-29T15:18:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2370"},"modified":"2020-04-01T15:40:18","modified_gmt":"2020-04-01T15:40:18","slug":"vom-umgang-mit-jungen-denkmaelern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2370","title":{"rendered":"Vom Umgang mit jungen Denkm\u00e4lern"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00abDas Verzeichnis der sch\u00fctzenswerten Kulturdenkm\u00e4ler der Stadt Schaffhausen (VKD)\u00bb. Was steckt hinter dieser sperrigen Bezeichnung? Und wie sollen wir mit den \u00abjungen Denkm\u00e4lern\u00bb umgehen? Antworten gab die Schlussveranstaltung zur VKD-Ausstellung im Bachschulhaus, die das SCHARF Schaffhauser Architektur Forum am 14. Februar 2019 organisierte. <\/strong><\/p>\n<div class=\"page\" title=\"Page 1\">\n<div class=\"section\">\n<div class=\"layoutArea\">\n<div class=\"column\">\n<p><strong>Text<\/strong> Caspar Heer<br \/>\n<strong>CH-Auswahl<\/strong> Caspar Sch\u00e4rer, BSA Schweiz<br \/>\n<strong>SH-Auswahl<\/strong> Pierre N\u00e9ma<br \/>\n<strong>Bilder Anlass<\/strong> Andres B\u00e4chtold<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>Mit der Erstellung des VKD ist die Stadt einer gesetzlichen Pflicht gefolgt: Das Natur- und Heimatschutzgesetz des Kantons verlangt n\u00e4mlich von den Gemeinden, bis sp\u00e4testens 2020 Inventare von Schutzzonen und Schutzobjekten zu erstellen. Damit werden erstmals die Quartiere ausserhalb der Altstadt systematisch erfasst und damit auch j\u00fcngere Objekte aufgelistet, welche die Denkmalpflege als schutzw\u00fcrdig einstuft: Denkm\u00e4ler des Industriezeitalters, der klassischen Moderne sowie auch die Architektur der Nachkriegszeit, die mancherorts einen zweifelhaften Ruf geniesst.<\/p>\n<p><strong>Denkmalpflege erweitert ihre Sicht<\/strong><br \/>\nIn seinem Einf\u00fchrungsreferat zeigte Caspar Sch\u00e4rer, Publizist und Generalsekret\u00e4r des BSA Bundes Schweizer Architekten, die gesamtschweizerische Perspektive auf. Das Europ\u00e4ische Jahr der Denkmalpflege 1975 sei der \u00abBig Bang\u00bb gewesen und habe einem breiten Publikum die Sorge um das gebaute Erbe bewusst gemacht. \u00abDie Denkmalpflege und der Heimatschutz traten an, die alte Schweiz vor der Walze der Hochkonjunktur-Architektur zu retten\u00bb. Als potenziell sch\u00fctzenswert galten zun\u00e4chst nur vorindustrielle Bauwerke. Sp\u00e4ter ging die Denkmalpflege auf eine dynamischere Betrachtungsweise \u00fcber. Sie bezog nicht nur den Historismus und die Moderne ein, sondern erweiterte auch die Auswahlkriterien: \u00abNach wie vor geht es um sch\u00f6ne Bauten, aber manchmal ist die Zeugenschaft mindestens so wichtig: Also was ein Geb\u00e4ude von einer bestimmten Zeit erz\u00e4hlen kann\u00bb, erl\u00e4uterte Sch\u00e4rer.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2369\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl.jpg\" alt=\"layout_ch-auswahl\" width=\"1191\" height=\"1672\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl.jpg 1191w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl-300x421.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl-620x870.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl-768x1078.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/layout_ch-auswahl-940x1320.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1191px) 100vw, 1191px\" \/><br \/>\n<strong>Architektur als Ausdruck der modernen Schweiz<\/strong><br \/>\nUnd zu erz\u00e4hlen gibt es von der Schweiz zwischen 1945 und 1975 viel, denn die Architektur dieser Zeit ist der Spiegel f\u00fcr unser modernes Gemeinwesen mit seiner damals entstandenen starken Wirtschaft und Zivilgesellschaft. \u00abEnorm, unfassbar, ja geradezu kolossal\u00bb ist laut Sch\u00e4rer die Explosion der Bausubstanz: Seit 1946 wurden rund siebzig Prozent aller heute existierenden Bauten erstellt! Und zwar f\u00fcr ein Gemeinwesen, das alle Einwohner einschliessen sollte: Neue Schulh\u00e4user und Gymnasien zeugen von einer Bildungsoffensive. Moderne Verwaltungsbauten sind Ausdruck der urbanen Schweiz mit ihren Sozialwerken. Infrastrukturbauten wie das Autobahnnetz weisen auf eine beispiellose Beschleunigung hin. Und unz\u00e4hlige Wohnbauten, auch wenn sie heute als Energieschleudern mit zu kleinen Grundrissen verp\u00f6nt sind, k\u00fcnden von einer neuen Wohnkultur.<\/p>\n<p><strong>Offene Fragen zur Schutzw\u00fcrdigkeit<\/strong><br \/>\n\u00abDie Schweiz war ab dem 20. Jahrhundert fast durchgehend weltweit f\u00fchrend in der Architekturkultur\u00bb, betonte Sch\u00e4rer. Das habe mit unserem Bildungssystem, dem kulturellen Klima und der Aufgeschlossenheit der B\u00fcrger und Bauherren zu tun. Doch die ungehemmte Bauwut l\u00f6ste auch Wachstumskritik aus. \u00abBauen als Umweltzerst\u00f6rung\u00bb, das legend\u00e4re Manifest von Rolf Keller aus dem Jahr 1974, stand f\u00fcr eine Z\u00e4sur. Seither wird die Nachkriegsmoderne in breiten Kreisen sehr kritisch bewertet. \u00abHeute geht es darum, angesichts der schieren Masse den Weizen von der Spreu zu trennen und bedeutsame Bauten so zu renovieren, dass sie ihren Charakter behalten und trotzdem heutigen Vorstellungen entsprechen\u00bb, sagt Sch\u00e4rer. \u00abDie Fragen sind noch nicht gekl\u00e4rt, aber es denken immer mehr Leute dar\u00fcber nach\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Streifzug durch Schaffhausens Nachkriegsmoderne<\/strong><br \/>\n<strong>Pierre N\u00e9ma, Architekt und Vorstandsmitglied von Scharf, hat mit seiner Kamera auf einem Streifzug durch Schaffhausen Zeugen der Nachkriegsmoderne eingefangen \u2013 eine pers\u00f6nliche Erg\u00e4nzung zum VKD-Inventar. <\/strong><br \/>\n40 der insgesamt 460 im VKD-Inventar verzeichneten Objekte sind der Architektur des Aufbruchs zuzuordnen, stellt N\u00e9ma fest. Die Aufnahme ins Inventar erfolge nach einem Punktesystem f\u00fcr Qualit\u00e4tsmerkmale. N\u00e9ma stellt jedoch bei seinem Referat den pers\u00f6nlichen Bezug zu den Objekten, die er immer in einem gr\u00f6sseren Zusammenhang sieht, in den Vordergrund. Damit meint er das direkte Erleben, das er auch mit eigenen Fotos einzufangen versucht, von denen jedes ein kleines \u00abDenk-Mal\u00bb ist.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2368\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl.jpg\" alt=\"Layout _sh_auswahl\" width=\"1191\" height=\"1191\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl.jpg 1191w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl-620x620.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/Layout-_sh_auswahl-940x940.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 1191px) 100vw, 1191px\" \/><br \/>\nGrosse Erlebniskraft entfalten laut N\u00e9mas \u00dcberzeugung pers\u00f6nliche Bez\u00fcge im Kindesalter, also erste Begegnungen mit der Architektur von Kinderg\u00e4rten, Schulh\u00e4usern oder Sportst\u00e4tten wie der KSS. Dieses Werk von Ernst Gysel ist eine Gesamtanlage, die trotz verschiedener Architekturformen einheitlich wirkt. Wie damit bei der bevorstehenden Gesamtsanierung umzugehen ist, d\u00fcrfte f\u00fcr Diskussionsstoff sorgen.<br \/>\nN\u00e4chste pers\u00f6nliche Raumerfahrung war f\u00fcr N\u00e9ma das von Walter F\u00f6rderer gebaute Kantonsschulgeb\u00e4ude. \u00abDas ist f\u00fcr mich ein Bau, der auch nach Jahren uneingeschr\u00e4nkt funktioniert, gerade wenn er voll von Menschen ist\u00bb, sch\u00e4tzt er.<\/p>\n<p>N\u00e9ma ging auf eine weitere Geb\u00e4udekategorie mit viel Erlebnischarakter ein: Die neuen Sakralbauten in den rasch wachsenden Aussenquartieren. Es sind Kirchen wie St. Konrad, die wie eine Akropolis \u00fcber dem Grubental thront, St. Peter oder die Zwinglikirche, die f\u00fcr die Quartiere seit den 1950-er Jahren wichtige Bezugspunkte bilden.<\/p>\n<p>Gute Architektur stammt dabei nicht notgedrungen von Ber\u00fchmtheiten. Einer der Hauptakteure in der Nachkriegszeit war laut N\u00e9ma der Architekt Walter Henne (1905-1989): \u00abZu seinen Bauten gibt es kaum Archivmaterial. Doch er hatte aber ein gutes Sensorium f\u00fcr das menschliche Mass\u00bb. Das zeigt sich bei der alten Sternwarte ebenso wie bei zahlreichen seiner Einfamilienh\u00e4user.<\/p>\n<p>\u00abInsgesamt war und ist Schaffhausen im Bereich Wohnbauten allerdings nie herausragend\u00bb, stellt N\u00e9ma fest. Ein erstes Wohnhochhaus am Rheinufer von 1958 figuriert im Inventar. \u00abGute Ans\u00e4tze im Wohnbereich gibt es aber erst am \u00dcbergang zu den 1980-er Jahren. Und es sind meist kleinere Objekte, die im internationalen Vergleich keine Bedeutung haben\u00bb. \u00c4hnliches stellt N\u00e9ma f\u00fcr den Bereich Industriebauten fest, wo im Wesentlichen bestehende Objekte durch Anbauten oder Verwaltungsbauten erg\u00e4nzt wurden.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><br \/>\nIn Schaffhausen ist die Erstellung des VKD ein wichtiger Schritt. \u00abWas man als sch\u00fctzenswert anerkennen soll, ist allerdings nicht einfach zu entscheiden, zumal die subjektive Meinung bei der Architektur immer eine grosse Rolle spielt\u00bb, meint Christian W\u00e4ckerlin. \u00abEine rein museale Haltung bringt uns nicht weiter: Architektonisch wertvolle Geb\u00e4ude m\u00fcssen auch in unserer Zeit eine Funktion erf\u00fcllen k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>Man kann das VKD als Arbeitsinstrument f\u00fcr die Baubeh\u00f6rden betrachten. So betonte Schaffhausens Baureferentin Katrin Bernath, dass die Aufnahme einer Immobilie in dieses Inventar die Besitzer lediglich verpflichte, vor tiefgreifenden Ver\u00e4nderungen mit der Stadt fr\u00fchzeitig das Gespr\u00e4ch zu suchen. Was das im Einzelfall bedeutet, blieb allerdings unklar. Vertreter von Denkmalpflege und Heimatschutz neigen naturgem\u00e4ss dazu, einmal als schutzw\u00fcrdig deklarierte Bauten zu erhalten. Die Perspektive von Architekten und Bauherren richtet sich eher auf eine zuk\u00fcnftige Nutzung, womit die Ver\u00e4nderung (oder ein Abriss) in den Vordergrund r\u00fcckt. Denn wenn ein Objekt nicht mehr f\u00fcr zeitgem\u00e4sse Wohn- oder andere Funktionen taugt, verliert es seinen Wert. Wenn nun eine Ver\u00e4nderung ansteht, w\u00e4re die Frage also nicht nur, was war und ist, sondern vor allem danach, was sein k\u00f6nnte. Das Zuk\u00fcnftige sollte dabei &#8211; nebst dem Respekt des Bisherigen &#8211; m\u00f6glichst einen Mehrwert bieten, ein Prozess, der f\u00fcr sorgf\u00e4ltig arbeitende Architekten bisher schon selbstverst\u00e4ndlich war.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2366\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/bi-1.jpg\" alt=\"bi 1\" width=\"900\" height=\"601\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/bi-1.jpg 900w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/bi-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/bi-1-620x414.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/04\/bi-1-768x513.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 900px) 100vw, 900px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00abDas Verzeichnis der sch\u00fctzenswerten Kulturdenkm\u00e4ler der Stadt Schaffhausen (VKD)\u00bb. 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