{"id":2468,"date":"2019-09-19T17:33:49","date_gmt":"2019-09-19T15:33:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2468"},"modified":"2020-01-06T15:40:56","modified_gmt":"2020-01-06T15:40:56","slug":"filmgenuss-jean-luc-godards-le-mepris-featuring-architektur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=2468","title":{"rendered":"Filmgenuss: Jean-Luc Godards \u201eLe M\u00e9pris\u201c featuring Architektur"},"content":{"rendered":"<p><em>Zu einem weiteren Kinoabend lud SCHARF anfangs September ins Cinema Schwanen. \u201eLe M\u00e9pris\u201c, ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963, setzt nicht nur die jugendlich-frische franz\u00f6sische Schauspielergilde in Szene, sondern auch \u201edas sch\u00f6nste Haus der Welt\u201c, die Villa Malaparte. Godard, Bardot, Architektur \u2013 drei Gr\u00fcnde (wenn auch nicht zwingend in dieser Reihenfolge) f\u00fcr eine stattliche Anzahl Architektur- und Filmfans, an einem feinen Sommerabend nach Stein am Rhein zu pilgern.<\/em><\/p>\n<p>Text: Cornelia Wolf<\/p>\n<p>Bilder: Screens<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2458\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild.jpg\" alt=\"0_malaparte_titelbild\" width=\"984\" height=\"629\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild.jpg 984w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild-300x192.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild-620x396.jpg 620w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild-768x491.jpg 768w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0_malaparte_titelbild-940x601.jpg 940w\" sizes=\"auto, (max-width: 984px) 100vw, 984px\" \/><br \/>\n\u201eLe M\u00e9pris\u201c (die Verachtung) von Jean-Luc Godard ist kein klassischer Architekturfilm, aber ein Filmklassiker mit Architektur. Les amis du cin\u00e9ma fran\u00e7ais kommen ebenso auf ihre Kosten wie Architekturfans. Die Schl\u00fcsselszenen des Films spielen in einem Architekturjuwel: der Villa Malaparte auf Capri. Das Haus, spektakul\u00e4r auf einen schroffen Felsen gebaut, gilt als architektonisches Meisterwerk des 20. Jahrhunderts.<\/p>\n<p><strong>Der Film<\/strong><br \/>\nDie Handlung von \u201eLe M\u00e9pris\u201c basiert auf einer 1954 ver\u00f6ffentlichten Novelle von Alberto Moravia (1907 \u2013 1990): Paul Javal (Michel Piccoli in seiner ersten Hauptrolle) trifft sich in Rom mit dem amerikanischen Filmproduzenten Jeremy Prokosch (Jack Palance, bekannt aus unz\u00e4hligen Westernfilmen und unvergesslich in \u201eOut of Rosenheim\u201c), der unzufrieden ist mit der wenig profitversprechenden Umsetzung seines Filmprojekts \u201eOdysseus\u201c durch Regisseur Fritz Lang (er spielt sich selbst). Javal soll f\u00fcr eine hohe Summe Geld, Teile des Scripts neu verfassen, wozu er nach l\u00e4ngerem Z\u00f6gern ja sagt und damit nicht nur seine Autoren-Seele verkauft, sondern auch \u2013 wir sp\u00fcren es beim ersten Zusammentreffen der beiden \u2013 seine Frau Camille (Brigitte Bardot) an den Amerikaner verliert. Prokosch umwirbt Camille, und Paul, ihr Mann, scheint eine engere Begegnung der beiden geradezu einzuf\u00e4deln. Dass Paul offen mit Prokoschs Assistentin flirtet bewirkt, dass Camille dem ganzen Filmtross nach Capri folgt, wo der Film \u00fcber Odysseus gedreht wird. Ein Eklat zwischen Paul und dem Produzenten f\u00fchrt zum Zerw\u00fcrfnis zwischen Paul und Camille. Die Geschichte nimmt ihren Lauf \u2013 und endet fatal mit dem Unfalltod von Prokosch und Camille.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2470\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0.jpg\" alt=\"0\" width=\"709\" height=\"294\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0-300x124.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/0-620x257.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\nBrigitte Bardot, in der ersten Filmszene nackt auf einem Bett liegend und sich einer aus heutiger Sicht fast unertr\u00e4glich-naiv-verf\u00fchrerischen Fragerei \u00fcber die Liebe ihres Mannes zu ihren verschiedenen K\u00f6rperteilen hingebend, begr\u00fcndet hier ihren Status als Sexsymbol. Dass Godard diese und weitere Nacktszenen mit Bardot nachtr\u00e4glich in den Film einbauen musste, um dessen kommerzielle Erfolgschancen zu erh\u00f6hen, f\u00fchrt die mit seinem \u201eFilm \u00fcber den Film\u201c beabsichtigte kritische Reflexion \u00fcber Kunst und Kommerz ad absurdum.<\/p>\n<p><strong>Endlich \u2013 \u201eDas sch\u00f6nste Haus der Welt\u201c<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2469\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/villa.jpg\" alt=\"villa\" width=\"709\" height=\"354\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/villa.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/villa-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/villa-620x310.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\nErst im letzten Drittel des Films, als man endlich auf Capri ist, bekommen die Zuschauenden die mit Spannung erwartete Villa Malaparte zu sehen. Der Film ist bis heute die einzige M\u00f6glichkeit, die Innenr\u00e4ume und die n\u00e4here Umgebung des Hauses zu betrachten. SCHARF-Pr\u00e4sident Christian W\u00e4ckerlin, der selbst auf Capri war und skizzierend an das Haus heranpirschte, erz\u00e4hlt, dass Dutzende Motorboote, Yachten und Touristenschiffe um die Klippe cruisen, um die Neugier der Leute wenigstens ein bisschen zu befriedigen. Aktuell geh\u00f6rt die Villa der Fondazione Giorgio Ronchi und wird von Ralph Jentsch, dem Herausgeber einer Neuauflage von Malapertes Werk bewohnt. 1998, zum 100. Geburtstag Malapartes, wurde das bauf\u00e4llige Haus restauriert.<br \/>\n\u00dcber die Entstehung der Villa Malaparte, des \u201esch\u00f6nsten Hauses der Welt\u201c, wie es auch genannt wird, f\u00f6rdern verschiedene Recherchen das Folgende zutage: Der deutsch-italienische Schriftsteller Curzio Malaparte (1898 \u2013 1957) lie\u00df die zweigeschossige Villa zwischen 1938 und 1942 erbauen. Malaparte wollte eine \u201ecasa come me\u201c bauen &#8211; \u201eein Haus wie ich\u201c: \u201etriste, dura, severa\u201c \u2013 traurig, hart und streng. Er kaufte das Land, obwohl dort nicht gebaut werden durfte und erhielt \u00fcber Beziehungen zu Mussolini trotzdem eine Baugenehmigung. Einer Anekdote zufolge soll Feldmarschall Erwin Rommel im Fr\u00fchsommer 1942 zu Besuch gewesen sein und den Hausherrn gefragt haben, ob der das Haus schon so, wie es sei, gekauft h\u00e4tte, oder ob er es selbst entworfen und gebaut h\u00e4tte. Darauf soll dieser \u2013 wahrheitswidrig \u2013 erwidert haben, dass er es schon so, wie es sei, gekauft h\u00e4tte; und mit einer Armbewegung die Umgebung zeigend, die romantische Sch\u00f6nheit Capris und den malerischen Golf von Salerno: \u201eIch habe die Landschaft entworfen.\u201c<br \/>\nDas 10 Meter breite und etwa 50 Meter lange zweigeschossige Geb\u00e4ude mit Flachdach steht auf einem schwer zug\u00e4nglichen Felsen 32 Meter \u00fcber dem Meer und f\u00e4llt schon aus der Ferne durch seinen roten Anstrich ins Auge. Der Lichteinfall, die Sichtachsen und Fluchtlinien gelten als ebenso spektakul\u00e4r wie der Zugang auf die gel\u00e4nderlose Dachterrasse. Den Mittelpunkt der Villa Malaparte bildet ein Salon mit einer Fl\u00e4che von hundert Quadratmetern. Die Fenster sind \u00fcber die Fassade so verteilt, dass sie die sch\u00f6nsten Ausblicke erlauben. Im Haus gibt es au\u00dferdem eine Bibliothek und diverse Schlafzimmer. S\u00fcdwestlich vor dem Haus befindet sich eine Bodenterrasse, von der aus etwa 100 Stufen hinunter zum Meer f\u00fchren. Ein kleiner Treppenabsatz verbindet sie mit dem h\u00f6her gelegenen Eingang im Erdgeschoss.<br \/>\nIn einer der letzten Szenen des Films geht Camille, alias Brigitte Bardot, von dieser Bodenterrasse hinunter zum Meer. Man h\u00f6rt sie &#8211; splash! &#8211; ins Wasser springen und spannungsgeladene Sekunden sp\u00e4ter sieht man sie bedeutungsvoll ins blaue Meer hinausschwimmen. An dieser Stelle ziehen die Pfiffigen unter den Zuschauenden die Parallele zum eingangs gezeigten Werbetrailer der Laufen AG, in dem sich eine andere Badende in gestylter Wanne r\u00e4kelt. Allerdings von duftendem Badeschaum bedeckt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2459\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.jpg\" alt=\"1\" width=\"709\" height=\"353\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-300x149.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1-620x309.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2460\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.1.jpg\" alt=\"1.1\" width=\"709\" height=\"280\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.1.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.1-300x118.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/1.1-620x245.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2461\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2.jpg\" alt=\"2\" width=\"709\" height=\"288\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-300x122.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/2-620x252.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2462\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/4.jpg\" alt=\"4\" width=\"709\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/4.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/4-300x124.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/4-620x255.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2465\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/7.jpg\" alt=\"7\" width=\"709\" height=\"289\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/7.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/7-300x122.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/7-620x253.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2464\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/6.jpg\" alt=\"6\" width=\"709\" height=\"309\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/6.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/6-300x131.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/6-620x270.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2463\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/5.jpg\" alt=\"5\" width=\"709\" height=\"292\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/5.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/5-300x124.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/5-620x255.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2466\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/8.jpg\" alt=\"8\" width=\"709\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/8.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/8-300x124.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/8-620x256.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2467\" src=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/11.jpg\" alt=\"11\" width=\"709\" height=\"284\" srcset=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/11.jpg 709w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/11-300x120.jpg 300w, https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/11-620x248.jpg 620w\" sizes=\"auto, (max-width: 709px) 100vw, 709px\" \/><br \/>\n<strong>Haus und Interieur als Stilmittel<\/strong><br \/>\nDer Salon wird auch im Film zum Zentrum des Geschehens. Die M\u00f6blierung, die f\u00fcr den Film gew\u00e4hlt wurde, wirkt in ihrer vorherrschenden Farbgebung in Rot, Blau, Gelb und Weiss wie ein Bild von Mondrian. Die Farben sind aber keinesfalls zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, sondern werden bewusst inszeniert. Sie dienen als Stimmungsbarometer und unterstreichen die Dramatik der Handlung. So symbolisiert ein rotes Sofa (noch) vorhandene Liebe. Kaltes Blau und Gelb bedeuten Eifersucht, Streit, Trennung. Godard perfektioniert diesen Kunstgriff in der Szene auf der Terrasse beim geschwungenen Sichtschutz aus Beton, wo Camille den roten Bademantel abstreift und sich auf das gelbe Badetuch legt &#8211; und ihrem Mann klar wird, dass es zu Ende ist. Selbst die Tatsache, dass die Villa 1963 beim Dreh des Films einen etwas heruntergekommenen Eindruck macht, darf durchaus als Stilmittel gedeutet werden. Die br\u00f6ckelnde Fassade, der abbl\u00e4tternde Putz spiegeln das in sich zusammenfallende Beziehungsgeflecht der Protagonisten.<br \/>\nDas Atmosph\u00e4rische, der Zauber, der durch diese stilistischen Finessen entsteht, beeinflusst subtil die Wirkung des Films und die Wahrnehmung der Zuschauenden.<\/p>\n<p><strong>Wahrnehmung heute<\/strong><br \/>\nWie wirkt \u201eLe M\u00e9pris\u201c heute, 55 Jahre nach seiner Entstehung? Er ist nat\u00fcrlich von Jean-Luc Godard, und deshalb \u00e4ussert die SCHARF-Gruppe nur vorsichtige Kritik. Abgesehen von der einmaligen Gelegenheit, die Villa Malaparte aus n\u00e4chster N\u00e4he zu sehen, was f\u00fcr die Meisten in unserer architekturaffinen Gruppe nat\u00fcrlich die Hauptsache war, wird der Film \u2013 nicht nur, aber auch von der Schreibenden &#8211; als eher langatmig empfunden. Die endlosen Dialoge um immer dasselbe und die oft unnat\u00fcrliche Spielweise der Darstellenden wirken h\u00f6lzern und ersch\u00f6pfend. Nat\u00fcrlich ist 1963 nicht 2019. Filmkunst und -technik haben sich entwickelt, das heutige Kino zeigt ganz einfach andere Filme. Was aber nicht heisst, dass sich die Themen nicht wiederholen. Brandaktuelles Beispiel eines neuen \u201eFilms \u00fcber den Film\u201c: \u201eOnce upon a time in Hollywood\u201c, in dem Regisseur Quentin Tarantino auch die Profit- und Karrieresucht im Filmgesch\u00e4ft beleuchtet und gleichzeitig die ganze (Film-)Geschichte auf den Kopf stellt. Gar nicht langatmig &#8211; am Ende ist man geradezu atemlos, \u00e0 bout de souffle. Womit wir wieder bei Godard w\u00e4ren. Interessantes Detail: Tarantinos Produktionsfirma heisst \u201eA Band Apart\u201c. Der Name basiert auf Godards Film \u201eBande \u00e0 part\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu einem weiteren Kinoabend lud SCHARF anfangs September ins Cinema Schwanen. \u201eLe M\u00e9pris\u201c, ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963, setzt nicht nur die jugendlich-frische franz\u00f6sische Schauspielergilde in Szene, sondern auch \u201edas sch\u00f6nste [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2457,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,1],"tags":[],"class_list":["post-2468","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-berichte","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2468","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2468"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2468\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2662,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2468\/revisions\/2662"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2457"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2468"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2468"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2468"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}