{"id":6167,"date":"2025-09-20T19:32:45","date_gmt":"2025-09-20T19:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=6167"},"modified":"2025-09-20T19:35:05","modified_gmt":"2025-09-20T19:35:05","slug":"ausstellung-betonpreis-25-tragende-rolle-fuer-den-leistungsfaehigen-baustoff","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=6167","title":{"rendered":"Ausstellung Betonpreis \u201925: Tragende Rolle f\u00fcr den leistungsf\u00e4higen Baustoff"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Alle vier Jahre vergibt Betonsuisse Preise f\u00fcr herausragende Bauten. 2025 wurden erstmals auch Ingenieurwerke einbezogen. Die Wanderausstellung zum Betonpreis \u201925 gastierte auf Einladung von Scharf im September in Schaffhausen. Zudem stellten zwei Preistr\u00e4ger ihre pr\u00e4mierten Arbeiten in Referaten vor, n\u00e4mlich Daniel Penzis von PENZISBETTINI Architekten die Erweiterung der Kantonsschule Limmattal in Urdorf und Diego Somaini von F\u00fcrst Laffranchi Ingenieure die Erneuerung des Saaneviadukts in G\u00fcmmenen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><em>Die Veranstaltungseinladung finden Sie hier:<a href=\"https:\/\/www.sch-ar-f.ch\/?p=6105\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> Ausstellung Betonpreis 2025 mit zwei Veranstaltungen<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Text:<\/strong>\u00a0Caspar Heer<\/p>\n\n\n\n<p>Scharf-Pr\u00e4sident Christian W\u00e4ckerlin und Architekt Roman Giuliani f\u00fchrten bei der Vernissage durch die Ausstellung. Beton als Baustoff wird heute wegen der hohen CO2-Belastung kritisch gesehen. \u00abDie vielen Diskussionen um die Nutzung des Betons sind sicher berechtigt, aber nicht immer gerecht\u00bb, meinte Giuliani. Doch sie haben auch die Ausrichtung des Betonpreises ver\u00e4ndert. \u00d6kologische Kriterien spielen heute bei den Auszeichnungen eine zentrale Rolle: Er wird f\u00fcr Bauwerke vergeben, wo das leistungsf\u00e4hige Material nicht einfach f\u00fcr oberfl\u00e4chliche Effekte, sondern zweckm\u00e4ssig, verantwortungsvoll und gestalterisch \u00fcberzeugend eingesetzt wird. Und dies ist gerade bei Ingenieurbauten oft der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fokus standen neben vier Hochbauten diesmal drei unterschiedliche Br\u00fccken: der auf Doppelspur erweiterte Eisenbahn-Viadukt \u00fcber die Saane bei G\u00fcmmenen, die dreiteilige Bogenbr\u00fccke in Aarau und die asymmetrische Fussg\u00e4ngerbr\u00fccke bei Bondo im Bergell. Es sind Zweckbauten von verbl\u00fcffender Eleganz.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Saane-Viadukt erwies sich die Betonkonstruktion als einzige M\u00f6glichkeit, das historische Bauwerk f\u00fcr die Belastungen des neuen Eisenbahnzeitalters aufzuwerten. Auf die massive Natursteinkonstruktion wurde ein Stahlbetontrog gelegt, der auf beiden Seiten auskragt, von weitem aber filigran wirkt. \u00abMich beeindruckt der denkmalpflegerische Umgang: Extrem fein gemacht\u00bb, schw\u00e4rmt Giuliani. \u00abDie Landschaft wirkt fast sch\u00f6ner mit der Br\u00fccke. Das ist ein Kompliment an die urspr\u00fcnglichen Erbauer wie auch an die Erneuerer\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die neue Stadtbr\u00fccke in Aarau kommentiert W\u00e4ckerlin mit den Worten: \u00abDas Formale wirkt hier sehr dominant. Dabei zeigt sie aber einen klaren Bezug zur Geschichte dieses Aare-\u00dcbergangs\u00bb. Beispielsweise, indem sie auf den schmalen Fundamenten der Vorg\u00e4ngerbr\u00fccke aufbaut, wodurch die W\u00e4nde in der Mitte nach aussen und an den Enden nach innen geneigt sind. Nicht nur dadurch wirkt die Br\u00fccke lebendig, sondern auch wegen der Raumgestaltung unter der Fahrbahn: Die Pfeiler sind mit grossen Ellipsen durchbrochen, was Material spart und eine \u00fcberraschende Transparenz erzeugt. \u00abEs ist ein sch\u00f6nes, ausgefeiltes Kunstwerk\u00bb, urteilt Roman Giuliani, der auch auf das sorgf\u00e4ltige Schalungsbild hinweist. \u00abBei Infrastrukturbauten fliesst das Geld noch eher, was eine handwerkliche hochstehende Ausf\u00fchrung beg\u00fcnstigt\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Neue Akzente in die Bergeller Landschaft schaffen die Br\u00fccken bei Bondo, wo 2017 ein gewaltiger Bergsturz die \u00dcberg\u00e4nge, Strassen und Geb\u00e4ude zerst\u00f6rt hat. F\u00fcr die Schutzverbauungen entlang des Bachbetts verwendete man die herabgest\u00fcrzten Gesteinsbrocken, ebenso f\u00fcr den Beton der Br\u00fccken. Diese wurden h\u00f6her gelegt, um neuerlichen Katastrophen vorzubeugen. Besonders spektakul\u00e4r ist der Fussg\u00e4nger\u00fcbergang, eine talw\u00e4rts gekr\u00fcmmte Bogenbr\u00fccke, die das Bachbett mit einer Weite von 50 Metern \u00fcberspannt \u2013 eine elegante Konstruktion, die so nur in Beton zu realisieren war, aber doch als Fortsetzung der lokalen Bautradition gedeutet werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Offen und flexibel: Kantonsschule Limmattal<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zu den Preistr\u00e4gern im Hochbau geh\u00f6ren PENZISBETTINI. Architekten mit ihren Erg\u00e4nzungsneubauten der Kantonsschule Limmattal in Urdorf. Daniel Penzis stellte das Projekt vor, das 2016 mit einem offenen Wettbewerb initiiert wurde: \u00abWir wollten den Inselcharakter durchbrechen und die Schule als Teil des \u00f6ffentlichen Raumes neu positionieren. Um m\u00f6glichst viele zug\u00e4ngliche Fl\u00e4chen freizuspielen haben wir uns f\u00fcr zwei starke Geb\u00e4udevolumen entschieden\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Im einen Geb\u00e4ude sind die Naturwissenschaften beheimatet, im andern zwei Turnhallen und die Aula. Beides sind \u00abH\u00e4user ohne Kern\u00bb, f\u00fchrte Penzis aus. Der Naturwissenschaften-Trakt ist ein Ger\u00fcst aus vorgefertigten Betonst\u00fctzen und -tr\u00e4gern mit Zwischenw\u00e4nden in Leichtbauweise. So ist man langfristig flexibel bei der Raumeinteilung. Das sei wichtig, denn bereits in der vierj\u00e4hrigen Planungsphase h\u00e4tten sich gewisse Bed\u00fcrfnisse ge\u00e4ndert. \u00abEs war uns auch ein Anliegen, dass die Konstruktion gut ablesbar ist und die Sch\u00fcler das Haus baulich verstehen. Alles sollte sichtbar sein, von der eingebauten Technik bis zu den naturwissenschaftlichen Sammlungen\u00bb.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ablesbarkeit gilt auch f\u00fcr den anderen Kubus, der aus drei aufeinander gestapelten Hallen besteht: Unten und oben eine Turnhalle, dazwischen um 90 Grad gedreht die in Holz ausgekleidete Aula. \u00abDiese \u00f6ffnet sich auf den Platz und verst\u00e4rkt damit die Pr\u00e4senz der Schule im Stadtraum\u00bb, sagt Penzis. Der Bau ist damit sowohl raumbildend, wie auch Stadtraum-pr\u00e4gend.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Saanenviadukt: Spannungsfeld zwischen TGV und Denkmalpflege<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bei den Br\u00fccken von Bondo ging es um die Neugestaltung einer zerst\u00f6rten Landschaft. Ganz anders beim Saane-Viadukt im Berner Seeland: Hier drehte sich alles um die Frage, wie man ein Baudenkmal von nationaler Bedeutung eisenbahntechnisch ein Jahrhundert voranbringen kann. \u00abDen Anstoss zur Sanierung gab hier der TGV von Bern nach Paris, der damals noch \u00fcber die Linie nach Pontarlier verkehrte\u00bb, erkl\u00e4rte Diego Somaini, der das Projekt 20 Jahre begleitete. Doppelspur und Beschleunigung auf 160 km\/h waren die neuen Vorgaben f\u00fcr den noch im Dampflok-Zeitalter aus Natursteinen erbauten Viadukt. Zur heutigen L\u00f6sung hat ein zweistufiges Verfahren gef\u00fchrt. Bauherrin war die BLS Netz AG, und mit an Bord waren von Beginn an Denkmalpflege und der Heimatschutz. In der ersten Wettbewerbsstufe waren Ideen f\u00fcr diverse L\u00f6sungsans\u00e4tze gefragt, f\u00fchrte Somaini aus und zeigte den weiten F\u00e4cher der vorgeschlagenen Varianten auf. Die vier \u00fcberzeugendsten wurden dann in einer zweiten Wettbewerbsstufe weiterbearbeitet. Die Jury w\u00e4hlte schliesslich das Projekt der F\u00fcrst Laffranchi Bauingenieure aus, das konstruktiv \u00fcberzeugte und einen hohen Wiedererkennungswert hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Somaini erkl\u00e4rt: \u00abWir haben die ganze L\u00e4nge von den Bahnd\u00e4mmen \u00fcber die Bogenbr\u00fccken bis zum Stahlfachwerk betrachtet und den Rhythmus beibehalten\u00bb. Gestaltung und Bahntechnik in Einklang zu bringen, sei allerdings nicht immer trivial gewesen. So mussten wegen der h\u00f6heren Geschwindigkeit die Kurvenradien beim \u00dcbergang zur Br\u00fccke erweitert und deshalb St\u00fctzpfeiler verst\u00e4rkt und Bahnd\u00e4mme verbreitert werden, und das w\u00e4hrend des laufenden Bahnbetriebs. Am Schluss wurde ein vorfabrizierter Stahlbetontrog auf die Natursteinpfeiler gelegt, der zwei Schienenstr\u00e4nge aufnahm und seitlich \u00fcber die St\u00fctzpfeiler hinausragt. Ausserdem ersetzte man das alte 65 Meter lange Stahlfachwerk \u00fcber dem Fluss &#8211; und das alles in nur f\u00fcnf Wochen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbild f\u00fcr Br\u00fccken in der Region Schaffhausen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was l\u00e4sst sich aus der Sanierung des Saaneviadukts f\u00fcr vergleichbare Br\u00fcckenbauwerke in unserer Region ableiten? Mit dieser Frage leitete Scharf-Vorstandsmitglied Peter Sandri eine Diskussion ein, zu der auch Benjamin Thommen, Bauberater der Z\u00fcrcher Denkmalpflege, eingeladen war. In Schaffhausen ist das Thema deswegen aktuell, weil die SBB n\u00e4chstens die Bahnbr\u00fccke nach Feuerthalen sanieren will. W\u00e4re da mehr als die Erhaltung des Bisherigen denkbar, beispielsweise die Erg\u00e4nzung mit einem Fussg\u00e4nger\u00fcbergang?<\/p>\n\n\n\n<p>\u00abEine Schwierigkeit ist, dass Verfahren f\u00fcr Bahnerneuerungen von kantonalen Prozessen entkoppelt sind\u00bb, meinte Thommen. Die kantonalen Denkmalpflegen w\u00fcrden zwar angeh\u00f6rt, aber die Bewilligung werde durch das Bundesamt f\u00fcr Verkehr erteilt. \u00abDie Weichen werden meist schon im Vorprojekt gestellt\u00bb, weiss Somaini. \u00abHier liegt es am Bauherrn, interessierte Kreise abzuholen\u00bb. Der Raum f\u00fcr Interventionen sei aber eng, weil der Betrieb bei einer solchen Br\u00fcckenkonstruktion absolut im Vordergrund stehe. Gerade deswegen h\u00e4tten Ingenieure andere Anspruchsgruppen oft gar nicht auf dem Radar. Ihnen allein alle Entscheidungen zu \u00fcberlassen w\u00e4re verfehlt, darin war man sich einig. Denn historische Br\u00fccken sind oft Ingenieur-Kunstwerke mit einer pr\u00e4genden Pr\u00e4senz in der Landschaft. Beispiele in der Region gibt es gleich mehrere, nebst Schaffhausen die Eisenbahnbr\u00fccken von Hemmishofen, Ossingen und vor allem Eglisau.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Bilder dieser Veranstaltung werden in K\u00fcrze hier als Galerie gezeigt.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alle vier Jahre vergibt Betonsuisse Preise f\u00fcr herausragende Bauten. 2025 wurden erstmals auch Ingenieurwerke einbezogen. Die Wanderausstellung zum Betonpreis \u201925 gastierte auf Einladung von Scharf im September in Schaffhausen. 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