Text: Alex Zahler
Bilder: Pierre Néma
Die diesjährige Generalversammlung des Schaffhauser Architekturforums gliederte sich in einen administrativen und einen thematischen Teil. Präsident Christian Wäckerlin führte zunächst durch die statutarischen Geschäfte und blickte auf das vergangene Vereinsjahr zurück. Dieses war wiederum geprägt von diversen Veranstaltungen, Exkursionen und Vorträgen. So standen unter anderem Diskussionen zu Fragen der Baukultur und Stadtentwicklung auf dem Programm und boten den Mitgliedern Gelegenheiten zum fachlichen Austausch.

Ein besonderer Moment der Generalversammlung war die Ehrung des langjährigen und nun aber zurücktretenden Vorstandsmitglieds Peter Sandri. Für seine grossen Verdienste um das Schaffhauser Architekturforum wurde er unter dem Applaus der Anwesenden zum Ehrenmitglied ernannt.
Im Anschluss an den offiziellen Teil bot ein Apéro Gelegenheit für Gespräche und Begegnungen. Gerade bei den hochsommerlichen Temperaturen wurde dieser von den Teilnehmenden besonders geschätzt.
Der zweite Teil des Abends widmete sich dem Thema «Smart Home / intelligentes Wohnen – Fluch oder Segen?». Bereits in der Einladung wurde die Frage aufgeworfen, welchen Mehrwert intelligente Gebäudetechnik für Architektur und Bauherrschaften schaffen kann. Im Zentrum stand dabei die Überlegung, dass moderne Gebäude heute weit mehr leisten müssen als lediglich Raum bereitzustellen. Licht, Klima, Beschattung, Sicherheit, Energie und Medien sollen sinnvoll miteinander vernetzt werden, damit Komfort, Effizienz und Benutzerfreundlichkeit steigen – ohne dass die Technik die Architektur dominiert.
Im anschliessenden Referat stellte die TeleConex (Sauter) AG ihre Sichtweise auf dieses Thema vor. Es Referierten Thomas Gründler (Geschäftsführer TeleConex Schaffhausen) und Christoph Widler (TeleConex CEO Stv.) mit fachspezifischer Unterstützung von Roman Leuenberger, Alessandro Noro und Manuel Grünewald. Das Unternehmen entstand ursprünglich als Fachgeschäft für Multimedia. Mit dem Wandel des Marktes und dem zunehmenden Onlinehandel erfolgte eine strategische Neuausrichtung hin zu intelligenten Gebäudelösungen. Den Begriff «Smart Home» verwendet das Unternehmen dabei bewusst zurückhaltend und spricht stattdessen von Gebäudeinformatik.
TeleConex ist seit 2007 in den Bereichen Gebäudeautomation, Informatik, Telekommunikation, Multimedia und Sicherheit tätig und verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem sämtliche technischen Systeme eines Gebäudes miteinander vernetzt werden. Das Unternehmen begleitet Projekte von der Planung über die Integration bis hin zu Betrieb, Wartung und Support und versteht sich als Ansprechpartner für durchgängige Lösungen aus einer Hand.
Unter Gebäudeinformatik versteht TeleConex die Schnittstelle zwischen Architekten, Fachplanern und den verschiedenen technischen Gewerken. Im Mittelpunkt steht die «Informatik des Hauses», also die intelligente Vernetzung sämtlicher Systeme anstelle isolierter Einzellösungen. Dadurch sollen Gebäude jederzeit kontrollier- und steuerbar sein, gleichzeitig aber einfach bedienbar bleiben – unabhängig vom Alter der Nutzerinnen und Nutzer. Ziel ist letztlich eine höhere Lebensqualität sowie ein effizienterer Betrieb der Gebäude.
Anhand verschiedener realisierter Projekte wurden die Vorteile solcher Systeme eindrücklich aufgezeigt. Gleichzeitig zeigte sich im Publikum auch eine gewisse Skepsis. Es wurde die Frage gestellt, weshalb heute alles elektronisch gesteuert werden müsse, wenn sich viele Funktionen auch manuell bedienen liessen.
TeleConex argumentierte, dass intelligente Gebäudetechnik nicht Selbstzweck sei, sondern helfe, Gebäude besser zu verstehen. Heizungen, Lüftungen oder Beschattungen könnten präziser geregelt werden, wodurch Energie und Strom eingespart würden. Zudem sehe sich das Unternehmen häufig auch als technischer Treuhänder: Dank der kontinuierlichen Überwachung der Anlagen könnten Störungen früh erkannt und dem Hauswart exakt mitgeteilt werden, welches Bauteil ersetzt oder gewartet werden müsse – gewissermassen als moderner Hauswart mit digitalen Werkzeugen. Entscheidend sei, technische Systeme bereits früh in den Planungsprozess einzubeziehen.
Im Zusammenhang mit dieser Entwicklung wurde auch auf das neue Berufsbild der Gebäudeinformatikerin beziehungsweise des Gebäudeinformatikers hingewiesen. Dieses entstand aufgrund des steigenden Bedarfs an Fachpersonen, welche die verschiedenen technischen Disziplinen miteinander verbinden können. Der Verband SwissGIN spielte bei der Entwicklung dieser Berufslehre eine massgebliche Rolle.
Nach einer kurzen Unterbrechung für das Abendessen wurde der Anlass mit einer Diskussionsrunde fortgesetzt. Als humorvoller Einstieg diente ein Filmausschnitt aus Jacques Tatis Klassiker Mon Oncle, der die Ambivalenz technischer Errungenschaften auf charmante Weise aufzeigt. Während heutige Werbekampagnen – etwa von Digitec/Galaxus – durchaus mit Selbstironie und dem möglichen Scheitern technischer Lösungen spielen, blieben mögliche Schwachstellen wie Langlebigkeit, Wartbarkeit oder Abhängigkeiten von Systemen in der Präsentation aussen vor. Dass diese Punkte ebenfalls wesentliche Bestandteile einer ganzheitlichen Betrachtung sind und durchaus eine vertiefte Auseinandersetzung verdienen, ergänzte die Diskussion sinnvoll und unterstreicht, dass der Nutzen technischer Lösungen stets im Kontext ihrer Anforderungen und Rahmenbedingungen zu bewerten ist.
Die anschliessende Diskussion zeigte eindrücklich, wie gross das Interesse des Publikums am Thema Gebäudeinformatik war. Die Teilnehmenden beteiligten sich engagiert mit Fragen, Anmerkungen und eigenen Erfahrungen, wodurch ein lebendiger Austausch entstand. Ein herzlicher Dank gilt der TeleConex (Sauter) AG sowie den Referierenden für die spannende Einführung in ein aktuelles und zukunftsrelevantes Thema und insbesondere für das grosszügige Gastrecht in ihren Räumlichkeiten am Rheinweg.
→ Das Protokoll der GV 2026 kann hier heruntergeladen werden: Protokoll GV 2026.pdf
















