Das erste ArchitekturGespräch des SCHARF Architektur Forums Schaffhausen im Jahr 2026 widmete sich den künstlerischen und technischen Aspekten des Lichts. Die Lichtdesignerin Angelika Shaba Dreher vermittelte Einsichten in ein komplexes, sich stetig weiterentwickelndes Thema.
Text: Manuel Pestalozzi*
Bilder: Pierre Néma

Angelika Shaba Dreher erläuterte während des Gesprächs mit SCHARF-Präsident Christian Wäckerlin auch das Lichtkonzept für den Munot.
Wir alle wissen um die Wichtigkeit der Wirkung von Licht. Treffen wir auf Menschen, die sich intensiv und von Berufs wegen mit Lichtdesign auseinandersetzen, erkennen wir, wie wenig wir eigentlich darüber wissen. Zu dieser Erkenntnis kamen während der Ausführungen von Angelika Shaba Dreher wohl manche. Das erste ArchitekturGespräch 2026 fand wie frühere Veranstaltungen in der Tap Tab-Bar im Kammgarn in Schaffhausen statt. Abermals wurde das Dialog-Format gewählt; die Lichtdesignerin gab ihre Geheimnisse im Gespräch mit dem wie immer sehr gut vorbereiteten SCHARF-Präsidenten Christian Wäckerlin preis. Schnell stellte sich heraus, dass Schaffhausen eine Hauptrolle spielen würde.
Angelika Shaba Dreher erzählte, dass sie in Schaffhausen zentrumsnah in einem Malereibetrieb aufgewachsen ist. Früh war sie fasziniert davon, wie Farben je nach Lichtsituation unterschiedlich wirken. Nach einer Ausbildung zur Primarlehrerin finanzierte sie sich ein Studium in Kunst und Kunstgeschichte. Besondere Faszination übten auf sie Lichtkünstler James Turrell der Light & Space Bewegung aus. «Ich kam eigentlich über die Farbe zum Licht», meinte sie und bewarb sich erfolgreich um einen Platz für ein Nachdiplomstudium in Lichtdesign, das eigentlich eher technisch orientiert gewesen sei, erzählte sie. 2011 konnte sie sich mit ihrem Atelier Dreher in den Arova Hallen, in einer einstigen Zwirnerei in Flurlingen, einrichten, wo ihr und Mitarbeitenden viel Raum zum Arbeiten zur Verfügung steht. Vier Tage in der Woche widmet sie sich dem Lichtdesign, zwei ihren Kunstprojekten.

Den theoretischen Ansatz für ihre Arbeit als Lichtdesignerin entspreche der Differenzierung von drei Prinzipien, wie sie ihr berühmter amerikanischer Kollege Richard Kelly (1910–1977) formuliert hatte: Focal Glow, Ambient Luminescence und Play of Brilliants – die Anziehungskraft des hellsten Punkts, das Umgebungslicht und das dekorative Element, welche durch die Anordnung von Lichtquellen, aber auch durch Effekte, wie etwa die Spiegelung einer beleuchteten, bewegten Wasseroberfläche, geschaffen werden kann. Zentral sind auch teilweise gegensätzliche Begriffspaare wie kalt-warm, Brillianz-Blendung, weiss-farbig oder Schatten-Tiefe. Anhand von Bildpaaren zeigte Angelika Shaba Dreher die Relevanz dieser Eigenschaften und Wirkungen des Lichtes auf. Damit machte sie das Publikum mit ihren «Werkzeugen» vertraut. Sie erklärte auch, dass sich die technischen Mittel ständig weiterentwickeln und die praktische Arbeit von einem steten Lernprozess begleitet wird. Das Tageslicht muss natürlich bei vielen Konzepten in die Überlegungen mit einbezogen werden. Essenziell ist zudem eine gute Teamarbeit, sowohl mit Architektinnen und Architekten als auch mit den technischen Fachkräften.
Bei der anschliessenden Präsentation von Auftragsarbeiten ragte die neue, sich noch in der Umsetzung befindende Lichtgestaltung für den Munot heraus. Sie umfasst sowohl die angemessene Bestrahlung der Zirkularfestung über der Altstadt wie auch die Beleuchtung der Zugänge, der mit offenen Oberlichtern versehenen Kasematten, der Reitschnecke wie auch der Zinne. Wichtige Elemente des Auftrags sind nicht nur die Lichtstimmung, sondern auch die Anordnung und Ausgestaltung der Leuchtkörper. Ein besonderes Detail sind die neuen Kandelaber auf der Zinne, welche sich für Anlässe wie das Openair-Kino manuell in die Tageslichtschächte absenken lassen. Und das berühmte, in einem Liebeslied besungene Munotglöckchen wird bereits jetzt bestrahlt! Jeweils um neun Uhr am Abend, wenn es täglich erklingt. Das Publikum zeigte sich überrascht, anscheinend ist ihnen diese Neuerung noch nicht aufgefallen.

Die weiteren vorgestellten Arbeiten des Ateliers Dreher vermittelten einen Eindruck von der Breite der Aufträge, denen sich dieses annimmt. Bei der Sanierung der durch einen Brand beschädigten Kirche St. Nikolaus in Hofstetten (SO) wurden Lichtquellen in ein mehrschichtiges Holzgitter integriert. Die Apsis erscheint als «unendlicher Ort» – in unterschiedlichen Tageslichtfarben. Diese Arbeit erforderte eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem Architekten, weil die Erzeugung des gewünschten Lichts stark von der Beschaffenheit der Wand- und Deckenoberfläche abhing. Mit diesem Projekt gewann Atelier Dreher 2025 den alle zwei Jahre verliehenen Prix Lumière der Schweizer Lichtgesellschaft SLG. Im Park Hotel Vitznau (LU) ging es beim Infinity Pool darum, Weichheit in ein eher kühles Ambiente zu bringen. Auch hier hatte die «Lichtlösung» mit dem Anbringen von Vorhängen einen architektonischen Aspekt. Als Gegensatz dazu zeigte Angelika Shaba Dreher Aufnahmen vom Weinkeller desselben Hotels, wo es um das Schaffeen einer eindringlichen Objektbeleuchtung ging. Zurück in weiteren Schaffhauser Projekten, genau beim Theater Bachturnhalle, erzeugte das Atelier Dreher im Foyer mit geringem Budget, dafür mit umso mehr gestalterischer Hingabe und Arbeitseinsatz mit einer Deckeninstallation aus beleuchteten Metallketten eine originelle und gleichzeitig feierliche Stimmung.

Mit einigen künstlerischen Arbeiten endete das ArchitekturGespräch. Bei ihnen spielt das Licht meistens eine passive, eher unterstützende Rolle. «Ich sehe mich nicht als Licht-Künstlerin», präzisierte Angelika Shaba Dreher ihr kreatives Selbstverständnis, «Licht ist für mich ein Material.» Während der COVID-19-Pandemie zog sie sich in ein Randenhäuschen zurück, setzte sich malerisch mit Sonnentalern auseinander und dokumentierte dies fotografisch. Als Sonnentaler werden die kreisrunden bis ellipsenförmigen hellen Flecken bezeichnet, die bei sonnigem Wetter häufig unter Bäumen und Büschen zu beobachten sind. In der grosszügigen Kammgarnhallen hängte die Künstlerin für eine Ausstellung Tücher auf, die mit Projektionen von Fensteröffnungen imprägniert waren. Der Stoff war hier eine Reminiszenz an die ursprüngliche Funktion der Halle, die einst der Textilindustrie diente. Hinterleuchtete Reagenzgläser mit Quellwasser, bei dem Licht als «Veredler» zum Einsatz kommt, und ein beschrifteter, mehrfarbiger und halbtransparenter Vorhang ergänzten diese Werkübersicht. Der Schlusspunkt setzte ein Schriftzug aus Licht am ersten Rheinlicht Festival in Schaffhausen im November 2025. Das Wort REVIVER erglühte in der Dunkelheit über dem Wasser und spiegelte sich in ihm. Möglich machten dies handelsübliche Lichtquellen und gemietete Installationshilfen, die sich nach dem Anlass weiterverwerten liessen.
Das interessante Gespräch erinnerte daran, dass die Wirkung des Lichts unsere Wahrnehmung und unsere Befindlichkeit ganz massgebend mitbestimmt. Für die Erzeugung seiner inszenatorischen Kraft braucht es Fachwissen – und viel Erfahrung. Angelika Shaba Dreher machte während ihren Ausführungen kein Geheimnis daraus, dass sich die erwartete Wirkung nicht immer sofort einstellt und jenseits aller modernster Simulationsmöglichkeiten eine lichtdesignerische Massnahme vor Ort getestet und gegebenenfalls auch justiert werden muss.
* Manuel Pestalozzi, dipl. Arch. ETHZ und Journalist BR SFJ, betreibt die Einzelfirma Bau-Auslese Manuel Pestalozzi

















