SCHARF lud anfangs Juli zu einer dialogischen Führung durch die Ausstellung „Wettbewerb Neubau Hallenbad KSS Schaffhausen“ ein. Die reichhaltige Auswahl an Lösungsansätzen zeigte, welchen Mehrwert Architekturwettbewerbe bei solch komplexen Grossprojekten bringen. Gewonnen hat das Projekt «Katamaran» von K&L Architekten St. Gallen.
Text: Caspar Heer
Bilder: Pierre Néma
Ueli Jäger, der Geschäftsführer der KSS, ging bei seiner Begrüssung kurz auf die Vorgeschichte ein. Ursprünglich beabsichtigte die Regierung, das in die Jahre gekommene Hallenbad zu sanieren. Im grossen Stadtrat setzte sich dann aber die Variante Neubau durch. Sie wurde in einer Volksabstimmung 2022 trotz der hohen Kosten von geschätzten 80 Millionen Franken klar angenommen. Das Projekt ist indes auch nicht ein einfaches Hallenbad, sondern muss auch der Nutzungsvielfalt der KSS Rechnung tragen. Im Gebäude untergebracht sind auch eine Tiefgarage, ein Restaurant, sowie ein Wellness- und ein Fitness-Bereich.
«Die KSS startete einst als Kunsteisbahn und Freibad, ist aber längst zu einer Mehrspartenanlage mutiert. Das Projekt muss sich also räumlich und technisch in das bestehende Gesamtensemble einfügen», gab Scharf-Präsident Christian Wäckerlin zu bedenken. Es gilt daher auch, verschiedene Nutzungen zu bündeln, etwa im Bereich von Eingang und Zufahrt, Technik oder Restauration. Diese Anforderungen führten dazu, dass die funktionalen Aspekte gegenüber städtebaulichen oder ästhetischen in den Vordergrund rückten.
Jonas von Wartburg und Musa Miftari, Projektleiter bzw. Bereichsleiter Hochbau bei der Stadt, stellten vier prämierte Projekte vor. Das Siegerprojekt wurde vom Architekten persönlich präsentiert.
Das Projekt 08 (5. Rang) «Marianne» hielt sich als einziger Beitrag nicht an die Wettbewerbsvorgaben. Statt das bisherige Hallenbad auszublenden, bezog es den bestehenden Bau ins Projekt ein. Entstanden wäre damit ein stimmiges Gesamtensemble mit hohem Grünanteil, dies allerdings auf Kosten betrieblicher Nachteile. In der Diskussion wurde die Frage aufgeworfen: Was mag das Architekturbüro dazu bewogen haben, sich über die Vorgaben hinwegzusetzen und sich damit ins Abseits zu manövrieren? Die Antwort muss wohl lauten: Morger Partner Architekten, Basel, waren überzeugt, dass ihr Entwurf als Fortschreibung des architektonischen Erbes von Ernst Gisel die Jury überzeugt. Gereicht hat es nicht. Das Projekt kam nicht in die engste Auswahl, erhielt aber immerhin eine Auszeichnung.
Jonas von Wartburg würdigte beim Projekt 07 «Margrid» (4. Rang) vor allem den Aspekt der Nachhaltigkeit. Die Architekten von Parapase GmbH, Basel, schenkten dem zirkulären Bauen besondere Aufmerksamkeit, etwa indem Teile bisheriger Gebäude in den Neubau integriert werden sollten. Die Jury lobte darüber hinaus die klare Struktur und die gute Orientierung. Eher kritisch sahen einige Besucher, dass das Gebäude einem Industriebau ähnelt. Und in der Diskussion irritierte, dass die Holzstruktur aussen mit Betonverschalungen verkleidet wird.
03 «Aqua» (3. Rang) ist eines von drei Projekten, die nach der ersten Phase des Architekturwettbewerbes zur Weiterbearbeitung auserkoren wurde. In erster Linie besticht hier die sehr grosszügige, luftige Schwimmhalle. Die betrieblichen Nachteile konnten durch die Nachbearbeitung aber nicht genügend beseitigt werden. So bleibt es bei einem zweiten Eingang, um den langen Wegen entgegenzuwirken. Die Ästhetik der Schwimmhalle ist zwar unbestritten, doch fehlt eine Unterteilung und damit Rückzugsmöglichkeiten.
Auf dem zweiten Rang landete bei der Jurierung das Projekt 09 «Mitten im Park!» von Berell Kräutler Architekten AG, Zürich. Wie der Name sagt, spielt hier der sorgfältige Umgang mit dem umgebenden Grünraum eine wichtige Rolle. «Wir hatten die Hoffnung, dass sich durch die Weiterbearbeitung der positive städtebauliche Ansatz bewahren und zugleich eine bessere Funktionalität erzielen lässt», meinte Musa Miftari. Offensichtlich waren die Fortschritte für die Jury nicht überzeugend genug. «Sind die Architekten hier an ihrem mutigen Ansatz gescheitert?», fragte Christian Wäcklerin. Tatsächlich war primär ein funktional überzeugender Neubau gefordert. Städtebau, Schönheit und Nachhaltigkeit zwar auch, aber sie waren nicht matchentscheidend.
Die Summe all dieser Anforderungen hat das Projekt 06 «Katamaran» am besten auf einen Nenner gebracht. Vorgestellt hat es der federführende Architekt Thomas Lehmann von K&L Architekten, St. Gallen. Den Namen hat das Projekt von den zwei länglichen Baukörpern, die eine klare Trennung des Schwimmbereichs von den übrigen Becken gewährleistet. «Uns war auch der Bezug im Aussenraum wichtig. Wir wollten ein Vis-à-vis zur Eishalle schaffen», erläuterte Lehmann. Das ist ebenso gelungen wie die übersichtliche Anordnung wichtiger Funktionen und kurze Wege. Man war sich darin einig, dass die Vielfalt der Bezüge hier am besten gelöst wurde. Dennoch erhob die Jury einige kritische Einwände, etwa bei der Gestaltung der umliegenden Freiräume.
Katamaran wird nun zu einem Bauprojekt weiterentwickelt. Baubeginn ist laut Ueli Jäger voraussichtlich 2029 und die Bauzeit beträgt schätzungsweise 2.5 bis 3 Jahre. Viel Zeit also, in der sich das bisherige Hallenbad (Gisel-Bau) noch einmal bewähren muss.
Die Wettbewerbsbeiträge auf der Website der KSS → Zu den Projekten
Der Jurybericht zum Architekturwettbewerb KSS → Jurybericht Neubau Hallenbad KSS










